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Nachweis der juedischen Identitaet
BeitragVerfasst am: 04.03.2008, 19:11 Antworten mit Zitat
Gast42
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Ich wurde gestern Zeuge einer sehr heftige Diskussion zwischen Juden ueber eine Geschichte, die sich vor kurzem in Israel ereignet hat. Ich habe dazu lediglich einen Link auf Englisch gefunden: http://www.nytimes.com/2008/03/02/magazine/02jewishness-t.html
Anscheinend wird die juedische Identitaet von Personen in Israel immer haeufiger von streng orthodoxen Kreisen ueberprueft und Leute aus konservativen oder gar reformjuedischen Kreisen bekommen grosse Schwierigkeiten als Juden akzeptiert zu werden.
Die Diskussion wurde von Juden gefuehrt die sich selber als kaum bis nicht religioes bezeichnen und die nach eigenen Angaben mit Israel wenig am Hut haben. Sie finden es zwar beruhigend zu wissen, dass es irgendwo auf der Welt einen Staat fuer Juden gibt, aber sie haben keinerlei Absicht dorthin auszuwandern und selbst ein Urlaub dort ist nicht geplant.
Daher wunderte es mich umso mehr, dass sie diese Geschichte aus Israel so heftig diskutierten und ich habe nachgefragt.
Sie meinten es ginge ihnen dabei ums Prinzip: sie empfanden es als Anmassung, dass Juden anderen Juden die juedische Identitaet absprechen. Sie verwiesen auf das Passahfest an dem an die Schicksalgemeinschaft der Juden in Verfolgung und Unterdrueckung gedacht wird und sie fanden, dass diese Praxis in Israel dem Gedanken des Passahfestes ad absurdum fuehrt.
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 00:32 Antworten mit Zitat
Robbi P.
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Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 838




In solchen "streng orthodoxen Kreisen" wird oft die Meinung vertreten, Jude könne nur sein, wer sich zum religiösen Judentum bekennt. Juden, die sich nicht eindeutig bekennen und nicht nach den traditionellen Regeln leben, denen wird von diesen Orthodoxen gerne die jüdische Identität abgesprochen. Dass das in konservativen oder reformjüdischen Kreisen auf Unverständnis stößt, ist verständlich. In der Halacha ist es eindeutig definiert: Jude ist, wer eine jüdische Mutter hat oder zum Judentum übertritt.
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 01:24 Antworten mit Zitat
Gast42
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Beiträge: 14




Ich kenne auch die Regel, dass der Jude ist, der eine juedische Mutter hat.
Eigentlich eine eindeutige Sache und ich dachte dass diese Regel auch allgemein akzeptiert wird. Du sagtest, die streng Orthodoxen sehen das zum Teil anders?

Das Problem verschiebt sich dann allerdings bloss um eine oder ein paar mehr Generationen: wie weise ich als Jude nach, dass meine Mutter bzw. Grossmutter etc. juedisch ist? Eine Abstammungslinie bis Abraham kann man ja schlecht bringen. Was wird als Nachweis akzeptiert und wer hat ueberhaupt die Befugnis, den einen Nachweis abzulehnen und den anderen zu akzeptieren? Woher kommt das Recht dazu?
Wenn der Staat Israel diese Befugnis, die ja wie die Geschichte zeigt, auch ganz praktischen"weltlichen" Einfluss hat (Heirat), in die Haende von Leuten einer gewissen religioesen Richtung legt, die das dann nach eignem Gusto auslegen darf, kommt man dann nicht ueber kurz oder lang in Teufels Kueche.
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 12:26 Antworten mit Zitat
Robbi P.
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Zitat:
Eigentlich eine eindeutige Sache und ich dachte dass diese Regel auch allgemein akzeptiert wird. Du sagtest, die streng Orthodoxen sehen das zum Teil anders?

Es wird unterschiedlich interpretiert und definiert, pauschal "die streng Orthodoxen" meinte ich nicht. Es existieren da eben auch sehr unterschiedliche Auffassungen dazu. Einige sind z. B. der Auffassung, dass ein Jude nur in Israel seine Identität verwirklichen und ausleben könne. Wenn Du nun mal an ultraorthodoxe Bewegungen wie die Neturei Karta denkst, die wiederum lehnen den Staat Israel ab, glauben, dass politische Passivität nach der jüdischen Überlieferung erwartet werde, das Volk einen Eid geschworen hätte, die Ankunft des Messiahs nicht "erzwingen" zu wollen und nicht massenhaft in das gelobte Land zu gehen. Andere Völker hätten im Gegenzug geschworen, die Juden nicht zu verfolgen. Diese Annahme führt bei bei denen so weit, dass sie den zionistischen Gruppen vorwerfen, diesen Eid gebrochen zu haben und dadurch die Shoa ermöglicht zu haben, da die anderen Völker sich nicht mehr an den Eid halten mussten. Das sind also völlig unterschiedliche Auffassungen alleine was das Thema Israel in Zusammenhang mit dem orthodoxen Judentum betrifft.

Die Frage, was von wem als Nachweis für eine jüdische Identität akzeptiert wird, kann ich aber auch nicht beantworten. Am besten wäre es in diesem Fall, sich einem Rabbi anzuvertrauen und mit ihm darüber zu reden. Und schließlich bleibt ja auch noch der Weg des Gijur, der Übertritt zum Judentum bzw. die "Einbürgerung" in das jüdische Volk.

Es gibt auch die "weltliche" These, dass man eine jüdische Herkunft über einen DNA-Test nachweisen könnte. Auf den ersten Blick hört sich das für die meisten eher nach unseriöser Rassentheorie an, aber bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass es doch nicht so unseriös ist und mit Rassentheorie überhaupt nichts zu tun hat. Im schweizerischen, jüdischen Wochenmagazin "Tachles" ist dazu ein interessanter Artikel zu lesen:

Dank DNA-Test genetische Cousins finden
Joëlle Apter ist Geschäftsführerin der Gentestfirma igenea, die als bisher einzige in Europa genealogische DNA-Tests anbietet. Die Testergebnisse der Herkunftsanalyse teilen unter anderem mit, wo sich die Ahnen vor Tausenden von Jahren auf dem Erdball aufhielten....
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BeitragVerfasst am: 06.03.2008, 17:49 Antworten mit Zitat
Gast42
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Anmeldungsdatum: 11.01.2008
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Robbi P hat folgendes geschrieben:

Die Frage, was von wem als Nachweis für eine jüdische Identität akzeptiert wird, kann ich aber auch nicht beantworten. Am besten wäre es in diesem Fall, sich einem Rabbi anzuvertrauen und mit ihm darüber zu reden. Und schließlich bleibt ja auch noch der Weg des Gijur, der Übertritt zum Judentum bzw. die "Einbürgerung" in das jüdische Volk.

Naja das Problem ist da ja gerade, dass mir ein reformierter Rabbi das eine sagt und ein konservativer das andere und der orthodoxe "Identitaetstester" am Ende beides nicht akzeptiert. Das ist ja beim Gijur schon dasselbe.
Das ist ja gerade die Frage. Wer hat am Ende die letzte Autoritaet die Entscheidung ueber Jude oder Nichtjude zu faellen und woher kommt die?
Zitat:

Es gibt auch die "weltliche" These, dass man eine jüdische Herkunft über einen DNA-Test nachweisen könnte. Auf den ersten Blick hört sich das für die meisten eher nach unseriöser Rassentheorie an, aber bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass es doch nicht so unseriös ist und mit Rassentheorie überhaupt nichts zu tun hat. Im schweizerischen, jüdischen Wochenmagazin "Tachles" ist dazu ein interessanter Artikel zu lesen:

Dank DNA-Test genetische Cousins finden
Joëlle Apter ist Geschäftsführerin der Gentestfirma igenea, die als bisher einzige in Europa genealogische DNA-Tests anbietet. Die Testergebnisse der Herkunftsanalyse teilen unter anderem mit, wo sich die Ahnen vor Tausenden von Jahren auf dem Erdball aufhielten....

Ich habe mal etwas Aehnliches gelesen, dass sich die Ashkenasim auf nur sehr wenige Leute zurueckfuehren lassen, die es nach der Zerstoerung des Tempels nach Norden in die roemischen Staedte am Rhein verschlagen hat. Und bestimmte Gene lassen sich auf diese kleine Gruppe zurueckfuehren.
Aber ich bezweifle stark, dass jemals jemand auf das "juedische Gen" getestet wird, um seine Identitaet zu verifizieren.
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BeitragVerfasst am: 07.03.2008, 21:07 Antworten mit Zitat
Robbi P.
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Meines Wissens hat die letzte Autorität ein Rabbinatsgericht, das auch über die Zulassung zum Gijur entscheidet.

Aber ich glaube, es ist eher die Ausnahme, wenn Papiere zur Verifizierung der Herkunft nicht vorhanden sind.

Zitat:
Aber ich bezweifle stark, dass jemals jemand auf das "juedische Gen" getestet wird, um seine Identitaet zu verifizieren.


Wahrscheinlich wird es auch kaum etwas bringen, mit dem Ergebnis eines solchen Tests zum Rabbi zu gehen.

Für Männer wird gar ein Starter-Kit empfohlen und für Frauen ein DNAPlus-Test:

Sind Sie Jude?

Ist doch verrückt, was es alles gibt.
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BeitragVerfasst am: 10.03.2008, 18:32 Antworten mit Zitat
Robbi P.
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Anmeldungsdatum: 22.10.2005
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Von einigen Leuten wird der von mir verlinkte Artikel als antisemitisch bezeichnet. Die Firma Igenea ist ein seriöses Unternehmen ohne irgendwelche rassistische oder antisemitische Hintergründe.

In Deutschland bietet die Firma iGENEA.de genetische Ahnenforschung an. iGENEA ist die europäische Filiale von FamilyTreeDNA, dem führenden Unternehmen für DNA-Genealogie. Weltweit werden 90% aller DNA-Genealogie-Tests von FamilyTreeDNA durchgeführt.
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BeitragVerfasst am: 13.03.2008, 00:22 Antworten mit Zitat
Knolle
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Manche haben den ganzen Tag nichts besseres zu tun als nach Antisemitismus Ausschau halten und finden auch da Antisemitismus wo keiner ist. Viele Bevölkerungsgruppen weisen genetische Merkmale auf die sich von anderen unterscheiden. Das ist kein Rassismus. Ein einfachstes Beispiel: Warum gibt es unterschiedliche Hautfarben und warum haben die Kinder die gleiche Hautfarbe wie ihre Eltern? Rassismus ist, wenn durch genetische Merkmale Menschen unterdrückt und verunglimpft werden aber nicht wenn über diese Merkmale eine Zugehörigkeit erforscht wird.

Die Sache hat aber dennoch einen Haken. Die Genforschung wird von Rechtsradikalen nur zu gerne bemüht um zu behaupten, die Nazis unter Hitler hätten mit der Rassenlehre nichts anderes gemacht als heute gemacht wird, nur das man heute modernere Mittel hat.
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Nachweis der juedischen Identitaet
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