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| Anmeldungsdatum: 22.10.2005 |
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Der Segen des Neubeginns
Die letzte Parascha der Tora kommt an Simchat Tora zur Vorlesung. Aus kalendarischen Gründen fällt außerhalb Israels Simchat Tora nie auf einen Schabbat. Diese Parascha steht auch nicht für sich allein, denn unmittelbar nach ihr beginnen wir noch am selben Festtag erneut mit der Lesung des ersten Kapitels der Tora, Bereschit. Dadurch demonstrieren wir, dass es in der Beschäftigung mit der Tora keinen Unterbruch geben darf, "sie stellt unser Leben dar". Zum Thema der Wiederholung bemerken unsere Weisen, wie schon erwähnt, dass derjenige, der ein Kapitel 100mal studiert hat, sich nicht mit demjenigen vergleichen kann, der dasselbe Kapitel 101mal durchgegangen ist (Chagiga 9b). Jeder neue Zyklus bringt uns neue Einsichten, wir müssen uns nur darum bemühen!
Viele Kommentare versuchen zwischen der ersten und letzten Parascha der Tora einen Zusammenhang herzustellen. Nehmen wir die Namen der betroffenen Wochenabschnitte, so können wir lesen: "Und dies ist der Segen — im Anfang". Nach den vorangegangenen Feiertagen, Rosch Haschana, Jom Kippur, Sukkot und Schmini Azeret werden wir in ein neues Jahr entlassen. Herbst und Winter mit den kürzer werdenden, dunkeln Tagen kündigen sich an, melancholische Gedanken bewegen oft unser Gemüt. Da teilt uns die Tora mit, dass wir die Möglichkeit zum Neubeginn haben. Gott segnet uns mit einem weiteren Lebensjahr, das es positiv zu gestalten gilt — der Segen des Neubeginns.
Die letzten Worte der Tora — "was Mosche vor den Augen von ganz Jisrael vollbrachte" (Dew. 34, 12) — verbinden sich mit den ersten Worten der Tora — "Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde" (Ber. 1, 1) — zu einer Botschaft. Das ganze Streben Mosches ging dahin, dem Volk Gott als den Schöpfer der Welt und Lenker der Geschichte nahezubringen. Diesen Gedanken wollte Mosche in jedem Juden verwurzeln und ihn als ewige Wahrheit verankern (Rabbi Jizchak von Worka).
Die Kabbala und die Werke des Chassidismus sehen in der Reihenfolge der Buchstaben der Tora nicht nur eine Möglichkeit, wie sie zu lesen ist. Es gibt deren viele, die uns nur noch nicht offenbart wurden. Der letzte Buchstabe der Tora, das "Lamed" des Wortes Jisrael, und der erste Buchstabe, das "Bet" von "Bereschit", ergeben zusammen das Wörtchen "Lew", Herz. Rabbi Jakow Jizchak, der "Seher" von Lublin, sieht darin den Mittelpunkt, das Zentrum der Tora, oder wie die talmudischen Gelehrten bemerkten: Gott braucht das Herz des Menschen (Sanhedrin 106b). Auf die Frage des Mischnagelehrten Rabbi Jochanan ben Sakkai an fünf seiner Schüler, welches der beste Weg sei, den ein Mensch einschlagen solle, antwortete ihm Rabbi Elasar ben Arach mit den Worten — ein gutes Herz. Dieser Antwort gab Rabbi Jochanan ben Sakkai den Vorzug (Awot 2, 9). Tora lernen und praktizieren, dazu benötigen wir alle ein gutes Herz. |
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