| H. |
| angehender Stammuser |



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| Anmeldungsdatum: 09.11.2005 |
| Beiträge: 215 |
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Schöne Übersicht!
Ich nehm's einfach mal als Aufhänger...
| Zitat: |
| Noch 1986 verwendete der Bürgermeister des niederrheinischen Korschenbroichs angesichts der leeren Stadtkasse das geflügelte Wort, zur Sanierung des Haushalts "müsse man ein paar reiche Juden erschlagen". |
Eigentlich ganz beruhigend, daß das schon so lang her ist...
Sonst hätte ich es womöglich noch als Anspielung darauf verstanden, daß sich so etliche Immobilien im Ortskern - dem Vernehmen nach - fest in jüdischer Hand befänden. Wie sonst ließen sich auch die hohen Mieten erklären? Juden können nunmal gut mit Geld, pressen ihre Mieter gnadenlos aus und lassen lieber 80% ihrer Immobilien leer stehen, als mit dem Preis runter zu gehen. Wahrscheinlich, weil sich das so gut "rechnet".
Ich wäre boshaft, würde ich behaupten, daß sich die Rechenkünste der tiutschen Landbevölkerung seit Harlans "Süß" deutlich verbessert hätten...
Aber womöglich bin ich unfair. Womöglich klappt das inzwischen doch ganz gut, mit dem Rechnen. Nur manchmal eben nicht. Verständlich - hatten wir in unseren Landen doch auch schon eine (wenn nicht mehrere...) Führungskraft, die in finanziellen Dingen unter spontanen black-outs litt.
(Zynismus-Schalter nach Belieben)
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Aber da wollte ich gar nicht hin, sorry.
Ich wollte in einen ganz anderen Landkreis, in eine andere Umgebung, eine andere Zeit. Damals, als die Welt noch so wunderbar einfach war.
Mediaevistik hab' ich da "gemacht". Mittelalterliche Texte gelesen, die man ganz gut begreift, wenn man sich ein wenig in jenes mönchisch dominierte Weltbild einliest. War ganz spannend. Aus irgendeinem Grund verschlugs dann meinen Prof und seine Jünger in die HAB (Wolfenbüttel).
Ich weiß nicht mehr, in welchem Bereich der Bibliothek wir wühlten. Zuständig war jedenfalls ein Prof. X.Y., freundliches Grinsen war angebracht - wir brauchten halt Zugang zu ein paar Quellen. Und da kennt der angehende Wissenschaftler nix, jeder Trick ist erlaubt. Der Kampf in Biliotheken erfordert eine gewisse Routine in Guerilla-Taktiken.
Unser Prof war ein Meister im Erkennen der Empfindlichkeiten des Gegners (Empfindlichkeiten sind natürlich nur jene, deren versehentliche Berührung den Zugriff auf die Quellen erschwert). So wurden wir vergattert, um höflichste Umschiffung der deutschen Vergangenheit und des Nahen Ostens gebeten, denn, oh Graus, auf "unseren" Quellen saß ein (*räusper* *flüster*) "Jude".
"Nun, meine Damen und Herren, ich bin da ja nicht weiter vorbelastet, aber Sie wissen ja - verschwörerische Pause - 'die' sind da was empfindlich".
Gefolgt von einem tiefen Blick in meine unschuldigen Augen (oder meine große Klappe?)
Wie auch immer. Das erste Treffen brach an, der Typ schneite rein, war "ganz normal" (auch die Nase) und obendrein ausgesprochen humorig. Nach dem Austausch der üblichen akademischen Verschwurbeltheiten kam er zum praktischen Teil: Essen können Sie da und da, sehr gut, sehr günstig. Oder da. Auch sehr gut und auch sehr günstig.
(Das war definitiv vor der Geiz-ist-geil-Welle)
Jedenfalls hab' ich den Kerl in die passende Schublade gesteckt: Nett, aber ein bißchen kurios.
Es ging dann im üblichen Stil weiter. Abends noch ein gemütliches Beisammensein mit unserer speziellen Betreuerin A.A. und einem weiteren Großkopfeten. "von Hanstenichgesehn". Ich stritt mich mit A.A. über Dylans Konversion zum Christentum, von Dingsbums guckte pikiert, und in Ermangelung von gescheiten Getränken plünderten wir den Weinkeller.
von H., alter deutscher Adel, präsentierte am nächsten Tag die Rechnung. Selbstverständlich nur, was wir zusätzlich zum Begrüßungsschluck verzehrt hatten.
Hin und wieder hatte ich noch in der HAB zu tun. A.A. hat mich immer irgendwo untergebracht. Abends haben wir zusammengehockt und "geplaudert". Über "Gott und die Welt", halt.
"Guck' mal, das ist meine Bestecksammlung. Du weißt doch, alle Juden sammeln Silber."
(Ich hab' ein bißchen irritiert geguckt. "Was soll der Quark? Halt's Maul, Junge" dachte ich mir da.)
Irgendwann erzählte sie mir von Ihrem Besuch in Dachau. Ihre Eltern sind da beerdigt. Es war ein Abend, an dem wir eigentlich nur wenig geredet haben.
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Eine gute Weile dachte ich, "da werden also auch Vorurteile kolportiert". (Was ich übrigens immer noch nicht generell ausschließen würde - aber das ist eine andere Baustelle...)
Erst viel später dämmerte mir, daß Prof XY bei seinem Hinweis auf den preisgünstigen Italiener doch ein verdammt ironisches Grinsen im Gesicht hatte. Und daß A.A., als ich brav ihre Silbersammlung bewunderte, auch ein wenig "eigen" guckte. (Vielleicht hab' ich ja doch nicht "irritiert" geguckt. Womöglich konnte man mir das "Samma, geht's noch?" doch vom Gesicht ablesen.)
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Sorry, ist was lang geworden.
Aber ist ja auch schon lang her, daß ich einige Aspekte des deutsch-jüdischen Verhältnisses ...
Ach was....
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Edit: Teppfihler. Wird womöglich ohne weitere Geständnisse fortgesetzt  |
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