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Iris Berben liest in der Klangbrücke
BeitragVerfasst am: 13.11.2005, 17:04 Antworten mit Zitat
Aviva
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Aachen. Die Schauspielerin Iris Berben gastiert am Sonntag, 13. November, um 20 Uhr im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen, Komphausbadstraße, mit ihrer multimedial unterstützten Lesung «Hitlers Tischgespräche aus dem Führerhauptquartier».

Iris Berben wird das literarische Zeitdokument rezitieren und stellt im zweiten Teil des Abends persönliche Erfahrungen von Holocaust-Opfern gegenüber.
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BeitragVerfasst am: 13.11.2005, 17:16 Antworten mit Zitat
Aviva
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Am 15.November im Gewandhaus

"Man fühlt sich unendlich allein gelassen"


"Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier - Zeugnisse von Holocaust-Opfern" heißt der Leseabend, mit dem Iris Berben am 15. November im Gewandhaus gastiert. Sebastian Feuß sprach mit der Schauspielerin über ihr Engagement gegen Antisemitismus.
Frage: Die Idee des Programms ist, dass der Zuschauer als "sachverständiger Zeitgenosse" mit Ihnen und Hitler an einer Tafel sitzt. Was erfährt er dabei?

Iris Berben: Die Reden, die man von Hitler kennt, sind zensiert. Die Tischgespräche, die er an den unterschiedlichsten Orten geführt hat, sind hingegen ungefiltert und sehr privat. Wenn Sie so wollen: leger. Er redet über Frauen, Kinder, Journalismus, seine Auffassung über die Kirche, Russen und die Antike. Es entsteht ein komplexes Bild von Hitler, das von Dümmlichkeit und Naivität sowie unendlicher Menschenverachtung geprägt ist. Dem gegenübergestellt sind Zeugnisse von Holocaust-Opfern - sozusagen die Stimmen der Toten.

Wie haben die Zuschauer bisher auf diese Täter-Opfer-Konfrontation reagiert?

Meist war es so, dass die Menschen mehrere Minuten bewegungslos da saßen, obwohl das Saallicht bereits wieder an war. Gerade die Opfer-Zeugnisse kommen mit unheimlicher Wucht über das Publikum. Ich weiß, dass das schmerzhaft ist. Man fühlt sich unendlich alleine gelassen. Gerade das aber gibt einem Zeit zu reflektieren, was man von diesem Abend mitnimmt, davon aufnimmt, was man abstößt oder diskutieren möchte. Das Thema "Drittes Reich" wird immer ein Teil unserer kollektiven Biografie bleiben müssen - und zwar in Form von moralischer Verantwortung, nicht von Schuld.

Sie wollen dies nicht mit erhobenem Zeigefinger vermitteln. Wie dann?

Ich interpretiere und spiele nicht. Hitlers Texte sprechen absolut für sich. Moralisieren bedeutet Anmaßung, und das will ich nicht. Allein durch das Zuhören entwickelt sich eine Haltung.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren gegen Antisemitismus. Woraus resultiert dieser Einsatz?

Als zur Zeit des Sechs-Tage-Krieges zum ersten Mal Israel in mein Bewusstsein kam, war die Vorstellung verbreitet, dorthin zu gehen und ein Land mit aufzubauen, das auch aufgrund des Holocaust und der dort lebenden, geflohenen Überlebenden in dieser Form entstehen konnte. Mit 18 Jahren hatte ich auch die Vorstellung und reiste hin. Vor Ort habe ich meine ganz persönliche Geschichtsstunde bekommen, indem ich mit einer Holocaust-Überlebenden ein langes Gespräch geführt habe. Ich bin danach immer wieder in das Land gereist, habe israelische Freunde gewonnen. Dadurch - und nicht zuletzt durch meine private Beziehung zu einem jüdischen Mann - habe ich immer mehr Zugang zur Thematik bekommen. Ich bin mir bewusst geworden, dass ich im Land der Verursacher lebe ...

... wo Rassismus, zumindest in einem Teil der Gesellschaft, latent vorhanden ist ...

Vor allem besteht dieser Teil nicht mehr nur aus Glatzköpfen und Stiefelträgern. Fremdenfeindlichkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Welche Wirkung kann da ein Programm wie Ihres entfalten?

Es kann ein Gegengewicht sein. Zu einem solchen Abend kommen keine Menschen, die innerlich dicht gemacht haben. Aber es ist wichtig, dass den anderen vermittelt wird: Von euch gibt es viele.

Quelle:Leipziger Volkszeitung
http://www.lvz-online.de/lvz-heute/11160.html
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BeitragVerfasst am: 14.11.2005, 15:03 Antworten mit Zitat
Anita Spira
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Hat einer von euch die "Tischgespräche" gelesen?
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BeitragVerfasst am: 14.11.2005, 15:12 Antworten mit Zitat
Aviva
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Nein,ich habe es nicht gelesen.
Anita,kannst Du es empfehlen?
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BeitragVerfasst am: 15.11.2005, 00:21 Antworten mit Zitat
Anita Spira
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Anmeldungsdatum: 23.10.2005
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Zitat:
Nein,ich habe es nicht gelesen.
Anita,kannst Du es empfehlen?


Ob es zu empfehlen ist? Jein. Wenn, dann eher für Historiker, die Wahres und Glorifiziertes oder gar Erlogenes unterscheiden können und nicht darauf reinfallen.
Kurz zum Buch:
Verfasst wurden " Hitlers Tischgespräche" nach 1945 von Dr. jur. Henry Picker. Aufgelegt 1951 vom Seewald- Verlag Stuttgart. Der Ullstein Verlag erwarb 1989 die Rechte und brachte es als unveränderte Fassung von 1975 heraus. 1969 hatte Picker es zum letzten Mal überarbeitet.
Henry Picker, der sich als absoluten Hitlerkenner gab, was bei einem damals 33 -jährigen unbekannten Mann unglaubhaft ist, war nicht der großartig geladene Gast bei Tisch seines Führers, er sprang nur für vier Monate ein, zwischen 21. März und 31. Juli 1942, da der etatmäßige Schreiber Heinrich Heim erkrankt war. Seine kurzfristige " Berufung" dankte Picker seinem Vater, Senator Daniel Picker (in Wilhelmsburg, bin mir da aber nicht ganz sicher), einem frühen Anhänger Hitlers und überzeugten Nationalsozialisten. Picker schrieb das Buch später nach original Notizen, die er sich als von Bormann offiziell bestätigten Schreiber am "Tisch" Hitlers gemacht hatte. (Ab 1944 übernahm die allgegenwärtige graue Eminenz, Martin Bormann, die Aufzeichnungen von Hitlers Geschwätz). Hitler selber war sehr dafür, seine "grandiosen Ideen sowie seine Genialität" der Nachwelt zu erhalten und darum stimmte er einem Schreiber bei Tisch gerne zu.
Zu kritisieren sind nicht die sicher authentischen Gespräche Hitlers, (seine Ansichten, die er zur obersten Weisheit erhob, die jedoch erbärmlich blamabel die typischen Bildungsmängel des Autodidakten zeigten), sondern Pickers eigene, stark rechtslastigen Kommentare. Kommentare, die er auch in den jeweiligen Überarbeitungen nie geändert hatte. Das sind in Kursierschrift gehaltene " Erläuterungen, "die oft eine ganze Seite im Buch einnehmen. Allgemeines ist durchaus richtig von ihm interpretiert, manches ist nur lächerlich, wie etwa, dass Hitler 1911 eine Lehre als Bildhauer abgeschlossen habe, er dreier Fremdsprachen mächtig war, er das Abitur mit Glanz bestanden habe und natürlich seine Eva über alles geliebt hat.
Gefährlich und geschichtsverfälschend sind Pickers Kommentare zur Judenausrottung. Sie grenzen hart an Verleugnung des Holocausts, verherrlichen Hitler und negieren dessen Verbrechen.
So hat nach Pickers nie revidierter Aussage das " Weltjudentum" 1939 Hitler den Krieg erklärt, darum waren –lt. Picker- die Juden der Hauptfeind Nr.1. Zum Novemberpogrom 1938 versteigt er sich gar zur Behauptung, Hitler wäre schärfstens dagegen eingeschritten- obwohl schon damals in Parteikreisen bekannt war, dass er am Abend des 9. November 1938 den Pogrom mit Goebbels abgesprochen hatte.
Auf den Seiten 17/ 18 (meine Ausgabe 1975) spekulierte Picker, ob Hitler tatsächlich von der Ausrottung wusste oder etwa nur Himmler und 89 Helfer? Unfassbar.
Sicher kannte Picker 1942 nicht das Ausmaß der Shoa. Doch sein Buch schrieb er 1951, als alle Welt von den Hitlerschen Verbrechen wusste, überarbeite es zwei Mal, und er schrieb noch immer von " nur"1, 8 Millionen Ermordeten ( um den Zweifel offen zu lassen, ob es denn nicht "noch" weniger waren). Um dann selbstherrlich zu schreiben: Ohne den Holocaust hätten die Juden keinen Staat Israel bekommen.
Beim Lesen des Buches hat man zudem immer den merkwürdigen Eindruck, einer gemütlichen Kafferunde beizuwohnen, bei der so fröhliche, nette Gäste geladen sind wie Himmler, Borman, Speer, der Euthanasie Arzt Rudolph Brand, Goebbels oder Göring.
Picker war bis zu seinem Tod ( 1979?) ein glühender Verehrer Hitlers, der zwar pflichtschuldigst den Holocaust verurteilte, jedoch ähnlich Speer, sich nie ganz von Hitler lösen konnte.
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BeitragVerfasst am: 15.11.2005, 06:32 Antworten mit Zitat
Aviva
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Liebe Anita,

danke,für die ausführliche Erläuterung.

So halte ich die Lesungen von Iris Berben doch recht gewagt.
Selbst dann noch,wenn sie die persönlichen Erfahrungen von Holocaust-Opfern
gegenüber stellt.
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BeitragVerfasst am: 20.11.2005, 17:43 Antworten mit Zitat
angel
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Aviva, ich denke, daß man mal einer Lesung zuhören sollte, bevor man sich ein Urteil darüber erlaubt. Sie wird wohl kaum die Erläuterungen Pickers, sondern O-Zitate des Gröfaz lesen...
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BeitragVerfasst am: 20.11.2005, 17:55 Antworten mit Zitat
Aviva
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Liebe Angel,

ein Urteil bzw. Vorurteil sollte es nicht sein.
Ich schätze Iris Berben sehr.
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Iris Berben liest in der Klangbrücke
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