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| Anmeldungsdatum: 17.01.2006 |
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Nächstes Buch, hab ich erst heute gelesen und zusammengefasst, fand ich aber irgendwie nicht so gut, kann nicht genau sagen warum. Am besten fand ich bis jetzt das Buch über Paulus, werde ich vielleicht morgen mal zusammenfassen. Sag mal, was du drüber denkst, Ismael.
Die Codierung vom letzten mal gilt auch hier :-)
à = Pfeil nach rechts
o = eingerückter Unterpunkt
Pinchas Lapide: Der Jude Jesus (Erstausgabe 1979)
Vorwort
- Jüdisches Leiden unter dem Antijudaismus der Kirche durch die Jahrhunderte (bis S.19)
Grund für die „Verteufelung“ des Judentums seitens der Kirche
- Aufbau eines rein gedanklichen Konstrukts, Ideen über das Judentum, in der frühen Kirche, Kirchenväter, Loslösung
- Zweck des Hirngespinstes (von P.L. zusammengefasst in einem Satz) nach der Logik der damaligen Kirche:
“Da Jesus sein Leben lang als Jude unter Juden und für Juden lebte, die Juden ihn jedoch nicht als Heiland anerkennen, so müssen diese Juden entweder geistig blind, teuflisch boshaft, oder am besten beides sein“.
- Jede andere Antwort schien an „den Grundsäulen der christlichen Heilsbotschaft“ zu rütteln. Deswegen wurde diese Patentlösung schon Ende des 1. Jh. mit Fleiß untermauert.
- „Dass dieser primitive Antijudaismus einer denkfaulen Heidenwelt, die der gesamten Heilsgeschichte ihr engstirniges Schema von Schwarz-Weiß aufzwingen will, bis heute weiterwuchern darf, ist ein Skandal, dem gegenüber alle anderen Probleme der jüdisch-christlichen Beziehungen verblassen“. S.20
heute
- auch heute noch ist das christliche Bild des Judentums oft mehr von christlicher Theologie als von der Kenntnis der Religionsgeschichte des Judentums geprägt. S. 21
Kleine Zusammenfassung und Anmerkung
- kleine Zusammenfassung der Thesen des Buches: (S.24)
o dass Jesus sich seinem Volk nie als sein Messias offenbart hat
o dass Israel ihn also nicht als seinen Erlöser anerkennen konnte
o dass die Mehrheit aller Juden, die Jesus ansprach, ihm einen begeisterten Empfang bereiteten
o dass von „Judenschuld“ ans einem Kreuzestod keine Rede sein kann
o dass Israel Jesus genau so wenig ablehnte, wie er nie sein Volk verwarf
o sondern dass seine ungeteilte Liebe, über den Tod hinaus, seinem Volk galt.
- (!) wichtige Anmerkung: NT Stellen, die im folgenden zitiert werden, wurden hautsächlich im Hinblick auf ihre Wirkungsgeschichte und weniger aus historisch-kritischer Sicht behandelt. (!) (S.25)
1. These : Jesus hat sich seinem Volk nicht als Messias kundgegeben
Die Kirche hat das jüdische Volk Jahrhunderte lang dafür beschuldigt, Jesus nicht als Messias angenommen zu haben. Abgesehen davon, dass so eine Beschuldigung natürlich anmaßend ist, und keiner Rechtfertigung von jüdischer Seite bedarf, scheint es mir der Sinn dieses Kapitels zu sein, aufzuzeigen, dass sich Jesus selbst sich nie als Messiasanwärter zur Wahl gestellt hat, und somit gar nicht „gewählt“ werden konnte. Leider kann ich der Argumentation an vielen Stellen nicht folgen.
Das Kapitel stellt auch jüdische Erwartungen an den Messias aus dem 1. Jh. den Erfüllungen von Bibelstellen in Jesus gegenüber, die nicht Teil der jüdischen Erwartungen an den Messias waren (Krankenheilungen, Dämonenaustreibungen, Totenerweckungen, Bar Kochba, der 3 Jahre lang als Messias galt, tat nie ein Wunder (S. 30, S. 53-56)).
- Jesus warnte vor künftigem Missbrauch des Messiastitels (Mt. 24,5)
„Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele verführen.“
à Keiner, der von sich selbst glaubt, der Messias zu sein, braucht Angst zu haben vor künftigem Missbrauch des Titels (S.29)
Messiaserwartung im damaligen Judentum vs. Erfüllung biblischer Voraussagen durch Jesus
- Ein „leidender Gottesknecht“ (Jes. 53)
o war damals nicht Teil der Messiaserwartung, wird erst später mit dem Messias in Verbindung gebracht (S.30)
o Jesus selbst bringt sich nicht mit diesem in Verbingung
o Paulus führt nie die Gestalt des „leidenden Gottesknechts“ an (unklar, da meiner Meinung nach Paulus ständig davon spricht, siehe Römerbrief u.v.a.)
o Die Idee vom „Messias Ben Joseph“ kam erst ab der Mitte des 2. Jh. auf
- Auferstehung
o war nicht mit Messianität verbunden.
o Man erwartete die Wiedererstehung versch. Gestalten, aber nicht des Messias
- viele falsche Messiasse traten von 44 n.Chr bis 132 n.Chr. auf, haben viel Leid gebracht, deswegen später vorsichtiger
Jesus: stellte er einen Anspruch auf den Messiastitel?
- Petrusbekenntnis (z.B. Mk 8,27ff)
o „Du bist der Messias, Sohn des lebendigen Gottes“
o evtl. später eingefügt (???)
o andere Jünger bestätigen diese Aussage nicht
o Reden Jesus weiterhin nur als „Rabbi“ an.
- Jesus wies seine Jünger und die, die geheilt wurden, immer wieder an, niemandem davon zu erzählen.
- Jünger verstanden Jesus nicht, wenn er von seinem Leiden sprach
- Einzug in Jerusalem: Messianität?
o Im Zusammenhang mit dem Laubhüttenfest, daher die Palmwedel und Hosiannarufe
- Prozess Jesu
o In zwei von drei Evangelien antwortet Jesus nicht direkt auf die Frage, ob er der Messias sei
o Der Hohepriester hat keine Zeugen, weil es keine gibt, weil er diesen Anspruch nie öffentlich geäußert hat.
o Abgesehen davon, dass eigentlich niemand wissen kann, wie diese geschlossene Veranstaltung ablief (S.43)
- Jesus: „Ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Allmacht sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen“
o Spricht in der 3. Person
o Warum sollte er kommen, wenn er schon da ist ? à nicht auf ihn bezogen (??)
Zusammenfassend
Ab S. 47
Aus fünf guten Gründen konnten die jüdischen Volksmassen in Israel zur Zeitenwende auch beim besten Willen in Jesus nicht ihren Messias erkennen: (wörtlich aus S. 48)
1. Er trat selbst nicht als solcher öffentlich auf.
2. Er verbot seinen Jüngern und all seinen Bekannten eindringlich, sein Leidensgeheimnis zu lüften.
3. Er entzog sich wiederholt allen Huldigungen von Seiten des Volkes, entwich häufig „an einen einsamen Ort“ , um die Verborgenheit zu suchen, und vollbrachte seine meisten Heilungen unter dem Siegel strenger Verschwiegenheit
4. Seine Gleichnispredigten von der messianischen Erlösung enthüllen nicht, sondern verhüllen alle Einzelheiten über das Kommen des Himmelreiches, und die ursprüngliche Bedeutung seiner meisten Parabeln von der Endzeit bleicht bis heute umstritten.
5. Wenn es wahr ist, dass, wie Paulus sagte „Wie aber sollen sie an den glauben, von dem sie nicht gehört habe? (Röm.10,14) – dann ist es nicht weniger wahr, dass die überwiegende Mehrheit des damaligen jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit weder an Jesus glauben noch „Christen“ werden konnte, da sie von Jesus nie das geringste gehört hatten.
Nicht verwirklichte Messiaserwartungen (S. 53-56)
Jüdische Messiaserwartungen, aus Aussagen der Propheten abgeleitet, die nicht in Jesus erfüllt wurden, Beispiele:
z.B. Bekehrung aller Heiden, Eintracht aller Gläubigen, Jerusalem Mittelpunkt der Völkerökumene, Dreierbund zwischen Israel und seinen Nachbarn, Ende der Tierquälerei, Wiedervereinigung Israels unter Gott, das messianische Friedensreich.
2. These: Das Volk Israel hat Jesus nicht abgelehnt
- Satz aus dem NT „Er lehrte in ihren Synagogen“ zeigt durch das Wort „ihren“, die Entfremdung, die die Kirche zwischen Jesus und der Synagoge durchführte, denn zu dieser Zeit wurde schon jeder, der an Jesus als Messias glaubte, aus der Synagoge ausgeschlossen (nach dem Johannesevangelium) S. 63
- Die ersten, die Jesus aufnahmen, ihm halfen, an ihn glaubten, waren Juden, auch die Mutterkirche und alle Apostel waren jüdisch à diesen innerjüdischen Ereignissen verdankt die Kirche ihre Entstehung.
- Jesus genoss zu Lebzeiten eine sehr breite Popularität im bei seinen jüdischen Volksgenossen (S.65-67: lauter Zitate aus dem NT)
- S.69 während auf Juden bezogen „viel Volk“ oder „das Volk“ ihm zujubelte, galt er bei Heiden und Samaritern oft als nicht willkommen (nach dem NT), S.69
- Hatte auch Gegner, wie es nie einem Glaubenshelden Israels an Gegnern gefehlt hat (vgl. David, Mose, Elija, Amos etc.)
- Priesterelite stellte Jesus nach, diese griff er an. Sie griffen ihn an, weil er radikal war in seinem Glauben. (S.71)
- Das Johannesevangelium, das sagt, das jüdische Volk habe Jesus abgelehnt, wird als das unhistorischste und antijüdischste von vielen Theologen und Bibelkritikern angesehen (S.71)
o Man muss hier zwischen den Zeilen lesen
o Wenn der Vorwurf aus elitären Kreisen kommt, Jesus verführe das Volk, dann heißt das doch auch, dass viele daraus auf seiner Seite waren.
o Wenn im Johannesevangelium von „den Juden“ (immer negativ gemeint) die Rede ist, müsste es eigentlich heißen: „die Feinde Jesu“ oder „die Führer der Juden“, da offensichtlich ist, dass viele auf seiner Seite waren.
o Sogar Johannes hat es in seinem Evangelium nicht fertig gebracht, die Popularität Jesu im jüdischen Volk totzuschweigen, obwohl das gegen seine Ideologie geht (S. 74-76 Zitate aus dem Johannesevangelium als Belege)
o Wie verträgt sich die Anklage des Christusmords mit diesen Tatsachen?
à „Das NT ist an sich nicht antisemitisch, es enthält aber heute nachträglich einen antisemitischen Beigeschmack, wenn man es verkündet, ohne im Geiste in das Zeitalter Jesu und in das Land der Juden zurückzusteigen“ (S.78, im Buch selbst als Zitat eines anderen Autors)
- Seitenlange Ausführungen über den Prozess Jesu, römische Verurteilung und Unschuld auf jüdischer Seite S.79-81
o Nur ein Teil der jüdischen Obrigkeit als Denunzianten beteiligt,
o Gegen den Willen des Volkes, ohne sein Zutun, aus Furcht vor jüdischen Volksmengen, die ihm fast ausnahmslos wohlwollen und Zuneigung bekundeten.
o Von Kirchen heute weitgehend anerkannte Tatsache
- „Wasserscheiden“ (wie P.L. es nennt) im Glauben
o Auferstehung – warum glaubten die meisten dennoch nicht an ihn?
à haben nur wenige gesehen, noch keine öffentliche Offenbarung
o Kreuzestod: wurde für die einen zum schlagenden Beweis seines Scheiterns, für andere zur neuen Hoffnung auf ewiges Leben
o Metamorphose des nachösterlichen Jesus im außerjüdischen Bereich (meint Vergöttlichung)
Zusammenfassender Schlusssatz:
Während das jüdische Volk Jesus als jüdischem Lehrer innerhalb des Judentums seine Sympathie entgegenbrachte, hatte es später große Probleme mit der Veränderung des Jesusbildes, wie es im christlichen Bereich geschah. Dieses Bild von einem Heiland-Gott wurde von jüdischer Seite abgelehnt. (S. 86-87)
3. These: Jesus hat sein Volk nie verworfen
Für die sog. „Verwerfung Israels durch Jesus“ gibt es keinen Beleg. Dieser „Mangel“ wird oft auf drei Arten versucht wettzumachen:
- Paulus muss herhalten
- Jüdisches Leiden wird als Strafe interpretiert
- Propheten Israels werden gegen ihr eigenes Volk zitiert (S.88-89)
o Vergessen wurde dabei aber zu erwähnen, dass es sich dabei nicht um Vorsehung sondern um Warnungen handelte
o Außerdem wurden die Tröstungen und Verheißungen etc. einfach ausgeklammert
o Aus dem Kontext gerissen
- Nach dem NT wurde die Kirche zum Spross Israels, also zum Miterbe, „Mitbürger der Heiligen“ und „Mitteilhaber der Verheißung“ aber keineswegs zum Alleinbesitzer eines unkündbaren Gottesbundes.
o Wie könnte Gott einen unkündbaren Bund kündigen, um dann einen neuen aufzubauen?
- Über Jesus: Bis zu seinem Tod „gilt all sein Streben, Predigen, Mahnen und Bekehren eizig und allein dem Wohl und Heil seines jüdischen Volkes“ (S.92)
- Israel als alleiniges Ziel seiner Sendung (S. 93)
- Auch Paulus bestätigt nicht die angebliche Verwerfung Israels (S. 95)
- Jesus hat Gottesliebe und Nächstenliebe den Seinen auch vorgelebt (S.98)
- Liebe ist der Grundgedanke der jesuanischen Ethik (S.98)
- Beim letzten Abendmahl sagt Jesus den Satz „dies ist mein Blut (das Blut) des Bundes“, damit redet er nicht von Heiden, sondern erst mal nur von seinem Volk. Sonst wäre der spätere Streit zwischen Paulus und Petrus über die Taufe von Unbeschnittenen überflüssig und unerklärlich. (S.100)
- Urgemeinde war lange der Ansicht, die Botschaft vom Gottesreich gelte nur Juden. Diese Gemeinde sind die wohl verlässlichsten Zeugen der Lehre Jesu.
- Solidarität mit seinem Volk:
o Besonders bekümmert um Arme und Schwache,
o Scheltreden gegen Sadduzäer (Kollaborateure mit der röm. Besatzungsmacht)
Worte, die Jesus in den Mund gelegt wurden
- daraus folgt: Worte, die Israel in den Evangelien verdammen, sind entweder herausgelesen oder hinzugefügt (durch Umdeutungen) (S.103-112), es geht besonders um Gleichnisse
Gleichnis von den bösen Winzern
- Inhalt: Herr des Weinbergs will nach Früchten sehen, schickt seinen Knecht, Weinbergpächter bringen ihn um, auch den zweiten und dritten, bis der Sohn des Besitzers geschickt wird. Dieser wird auch umgebracht, der Besitzer ist daraufhin zornig, nimmt den Weinberg den Pächtern weg und gibt ihn neuen Leuten (z.B. Mt. 21,33-46)
- Oft so interpretiert: Herr des Weinbergs = Gott, Pächter = auserwähltes Volk, neue Pächter = Kirche, Verwerfung Israels durch Gott.
- Darin kommt der Satz vor (V.43): Das Reich Gottes wird von euch genommen werden und einem Volk gegeben werden, das seine Früchte bringt.
- Dieser Satz kann aus verschiedenen Gründen nicht von Jesus stammen, er muss nachträglich der Geschichte hinzugefügt worden sein, da er einfach nicht in Jesu Art zu reden und in die Geschichte an sich passt. (S.105) Er fehlt außerdem in den anderen zwei Versionen dieses Gleichnisses in anderen Evangelien.
- Wovon sprach Jesus? Sprach er von der Verwerfung Israels?
o Der Weinberg ist seit Jes. 5 das Symbol für Israel, Gottes Pflanzung.
o Mit den Winzern, die sich gegen Gottes Plan auflehnen, ist die religiöse Führung gemeint, gegen die sich Jesus so oft auflehnt.
- Jesus hat nie gegen den Tempelkult in Jerusalem gesprochen (S. 110-111)
Prolog für morgen
(Schwieriges Kapitel)
- Pers. Stellungnahme von P.L.
- Eindeutig sagen kann man, dass Jesus Jude war, nicht ein komischer, irgendwie am Rande, sondern ganz in der Mitte seiner Glaubenswelt. Er stand den Pharisäern nahe und war Wanderprediger.
- War er auch mehr oder nicht? à Schwierig zu beantworten
- Israel hat schon immer den Auftrag zur Monotheisierung, S.119, ein Licht für die Völker zu sein, aber nicht zur Judaisierung.
- Aber gerade durch Jesus wurde dieser Auftrag weitgehend vollbracht (S.119-120), also „muss er doch wohl mehr gewesen sein, als bloß ein Tischlersohn aus Galiläa (...) was dieses mehr gewesen ist, weiß ich nicht“ (S.120f)
(Rest des Kapitels etwas verwirrend) |
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