| Aviva |
| Site Admin |


|
 |
| Anmeldungsdatum: 22.10.2005 |
| Beiträge: 1824 |
| Wohnort: Berlin |
|
|
 |
 |
 |
|
Das Deutsche Technikmuseum porträtiert 12 Berliner Schicksale
60 Jahre nach Kriegsende unternimmt das Deutsche Technikmuseum Berlin in einer neuen Ausstellungseinheit den Versuch, eine vollständige Übersicht der „Judentransporte“ aus dem Deutschen Reich in Ghettos und Vernichtungslager zu geben.
Bereits seit 1988 widmet sich die Ausstellung zur Eisenbahngeschichte der Rolle der Reichsbahn bei der Ermordung europäischer Juden im Dritten Reich, dem dunkelsten Kapitel der deutschen Eisenbahngeschichte. Fahrplanmäßig fuhren Züge mit bis zu 1.000 Menschen in die Konzentrationslager und bürokratisch wurden dafür Tarife abgerechnet. Nach dem Krieg wurde die Mitwirkung der Eisenbahn am Völkermord lange verschwiegen. Als Symbol für diese Transporte steht im Lokschuppen des Deutschen Technikmuseums ein typischer gedeckter Güterwagen. Seitdem sind viele Museen diesem Beispiel gefolgt.
Die neue Ausstellung präsentiert Bilder, Landkarten und Fahrpläne. An einer Medienstation sind die wichtigsten Daten sämtlicher „Judentransporte“ zwischen 1941 und 1945 abrufbar. Außerdem werden 12 Transporte aus Berlin eingehender beleuchtet, das heißt deren Ziele, die Anzahl der Deportierten sowie 12 Menschen, von denen nur drei überlebten.
Die "Judendeportationen" aus Berlin 1941-1945
Dem Holocaust fielen 5 bis 6 Millionen Menschen in Europa zum Opfer. Mehr als 130.000 Juden wurden in der Zeit zwischen Oktober 1941 und Mai 1945 mit der Eisenbahn allein aus dem Deutschen Reich in zahlreiche Ghettos und Vernichtungslager verschleppt.
Die Deportation der Berliner Juden folgte dem Muster der übrigen "Judentransporte" aus dem Deutschen Reich. Die meisten Zuginsassen wurden bald nach ihrer Ankunft ermordet. Mehr als 60 dieser Berliner Transporte rollten während jener Jahre nacheinander in den "Osten", also nach Litzmannstadt (Lodz), Minsk, Kowno (Kaunas), Riga, in den Distrikt Lublin, nach Warschau, nach Maly Trostinec bei Minsk, nochmals nach Riga und Reval im Baltikum sowie zuletzt - ab Ende 1942 - auch nach Auschwitz. Daneben wurden vor allem die älteren Juden seit Juni 1942 aus Berlin in über 120 Transporten zunächst in das Ghetto Theresienstadt in Böhmen gebracht. Zahllose Menschen starben schon dort, viele wurden aber noch weiter zu Vernichtungsstätten deportiert.
Die Ausstellung nennt die einzelnen Deportationsziele und beschreibt 12 Beispiele der über 180 "Judentransporte" aus Berlin zwischen 1941 und 1944. Sie weist außerdem auf die Schicksale von 12 Menschen aus der Reichshauptstadt und aus der Provinz Brandenburg hin, die damals "als Juden" gebrandmarkt und deportiert wurden.
Die Reichsbahn und die Juden
Die staatliche Eisenbahn war eine von vielen Verwaltungen, welche die antisemitische Politik des Deutschen Reiches umsetzte: In den Jahren 1933 und 1935 wurden sämtliche jüdischen Beschäftigten bei der Reichsbahn entlassen. Bald darauf verlangten Mitglieder der NSDAP, den Juden in Deutschland die Benutzung der Eisenbahn zu verbieten. Allein im Oktober 1938 transportierte die Reichsbahn weit über 12 000 polnische Juden, die zuvor im Reich gelebt hatten, an die damalige deutsche Ostgrenze. Nach der "Kristallnacht" im November 1938 brachte sie etwa 25 000 jüdische Männer mit Sonderzügen in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen. Im Jahre 1939 wurden per Eisenbahn mehr als 10 000 jüdische Kinder, die nach England ausreisen durften, zu den Seehäfen befördert.
Seit dem Beginn des Krieges im September 1939 wurden Juden im besetzten Polen mit Hilfe der Eisenbahn "umgesiedelt". Großdeportationen aus dem Deutschen Reich begannen im Oktober 1939 in Wien und Kattowitz, sie endeten östlich von Lublin in Nisko am San. Im Februar 1940 folgten Transporte der Juden aus Pommern nach Lublin. Im Oktober 1940 wurden aus Baden und der Saarpfalz mehr als 6500 Juden in den unbesetzten Süden Frankreichs abgeschoben, im Februar und März 1941 nochmals fast 5000 Menschen aus Wien in den Großraum Lublin verschleppt.
Am 1. September 1941 hat Reinhard Heydrich für Juden neben der Kennzeichnung mit dem gelben Stern angeordnet, dass sie ihre Wohnorte nicht mehr ohne polizeiliche Erlaubnis verlassen durften - beides Voraussetzungen für die am 15. Oktober 1941 einsetzenden Massendeportationen zu den Lagern im "Osten" des deutschen Machtbereichs. Im April 1942 wurde deutschen Juden auch die Benutzung der meisten innerstädtischen Verkehrsmittel untersagt.
Weitere Informationen:
http://www.dtmb.de/Aktuelles/Neue_Dauerausstellungen/index.html
Deutsches
Technikmuseum
Berlin (DTMB)
Trebbiner Str. 9
10963 Berlin-Kreuzberg
Tel.: 030 / 90 254-0
Fax: 030 / 90 254-175
info@dtmb.de
Gemeinsamer Eintritt für DTMB und Spectrum
(vorbeh. möglicher Änderungen):
Erwachsene: 4,50 EUR,
ermäßigt/Kinder: 2,50 EUR,
Gruppenpreis (ab 10 Pers.):
3,00 EUR,
ermäßigt: 1,50 EUR.
Eintrittskarten gelten am selben Tag für das DTMB,
Spectrum und Oldtimer-Depot
Deutsches Technikmuseum und Spectrum:
Dienstag - Freitag:
9.00 - 17.30 Uhr
Samstag/Sonntag/feiertags:
10.00 - 18.00 Uhr
Montag: geschlossen
Feiertage
14. April 2006
10.00 - 18.00 Uhr
16./17. April 2006
10.00 - 18.00 Uhr
1. Mai 2006
geschlossen
25. Mai 2006
10.00 - 18.00 Uhr
4./5. Juni 2006
10.00 - 18.00 Uhr |
|