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Aviva-Forum » Philosophie » Raum-zeitlich-konsquenter Solipsimus
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Raum-zeitlich-konsquenter Solipsimus
BeitragVerfasst am: 14.03.2006, 00:22 Antworten mit Zitat
Hagbard
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Anmeldungsdatum: 08.03.2006
Beiträge: 379




Wer sich bei dieser Überschrift nichts vorstellen kann, hat sich nichts vorzuwerfen Very Happy

Definition:

Solipsismus leitet sich vom lat. Solus = allein und ipse = selbst ab und bezeichnet eine philosophie Strömung, die die Absolutheit der Realität bestreitet.

Der Raum-zeitlich-konsequente Solipsimus geht sogar noch weiter und bestreitet die Absolutheit des Raum-Zeit-Gefüges.

Auswirkungen und Denken:

Ein raum-zeitlich-konsequenter Solipsist (nachfolgend RZQ, die Theorie RZQS) lebt in einer Welt in der es lediglich zwei Gewissheiten gibt. Zum einen die vom Raum-Zeit-Gefüge getrennte und sich selbst Begründende und beweisende Mathematik und dadurch auch die Logik, deren Folgerungen die Mathematik ja ist. Die andere Gewissheit ist die eigene Existenz. Selbst die Art und Weise der eigenen Existenz und wie lange sie schon andauert kann nicht überprüft werden, da der RZQS alles infrage stellt und als unentscheidbar im Gödel'schen Sinne ansieht.
Begründung für diese Folgerungen ist, dass alles, was man nicht denkt immer nur Illusion sein könnte und sich somit der Verfizierung entzieht, da jede Verifizierung wiederum eine Illusion sein könnte. Selbst Dinge, derer man sich normalerweise absolut sicher ist, wie, dass man schon länger als 5 Minuten existiert und die Welt es ebenso macht, sind für den RZQS nicht absolut gewiss, da alles, auch die Erinnerungen und mögliche Spuren auf eine Vergangenheit ebenso Täuschung sein könnten. Die absolut Gewissheit ob der eigenen Existenz gründet sich auf den Begründer des modernen Solipsimus René Descartes: "Cogito ergo sum". Doch rein logisch gesehen kann der RZQS nichteinmal die eigenen Existenz als unwiderruflich gegeben betrachten, da sie auch nur Illsion sein könnte; der RZQS propagiert demnach einen allmächtigen kartesischen Dämon.
Deswegen ist alles, worauf er seine Schlussfolgerungen stützt reine Logik, vollkommen frei von Wertungen oder als normal gesicherte aber nicht durch Logik verifizierbare Fakten.

Insgesamt reduziert sich so die Grundaussage des RZQS auf folgende Abwandlunge des kartesischen Ausspruches:

Somnis ergo sum - Somnio ergo es
Du träumst, also bin ich - ich träume also bist du

Sicherlich mag diese Einstellung befremdlich erscheinen, ist aber konsequent logisch. Die realen und praktischen Folgerungen und Auswirkungen auf den RZQ sind dennoch nicht so gravierend. Allein sein Denken und seine Argumentation sind so weit wie möglich wertfrei und nicht-urteilend, sondern richten sich an der Logik aus. Desweiteren wird er niemals eine sog. Tatsache fraglos hinnehmen.

Dem RZQS verwandte Theorien sind der Solipsimus, der Diskordianismus, der Cartesianismus und der radikale Konstruktivismus

Neben mir sind mir im übrigen keine weiteren Anhänger des RZQS bekannt Very Happy
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BeitragVerfasst am: 14.03.2006, 09:10 Antworten mit Zitat
Ecclesiastes
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Anmeldungsdatum: 05.01.2006
Beiträge: 136




Also den Cartesianismus würde ich da ausnehmen, ist er doch eine explizit auf die Realität fixierte Denkrichtung. Der nach Solipsismus riechende erste Satz des Cartesianismus "Cogito, ergo sum" (Ich denke, also bin ich) beschreibt da lediglich die erste Gewissheit, von der aus Descartes die reale Welt zu kategorisieren suchte.

Und was den Solipsismus betrifft: Am Ende steht immer ein donnerndes "Selbst Schuld"

Wenn das Leben nicht schmeckt, hat man sich das falsche herbeigeträumt. Sagt der Solipsist.

Und dann fällt ihm ein, dass er es hätte gar nicht sagen müssen - ist doch das klagende Gegenüber nur ein geträumtes......

ecc
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BeitragVerfasst am: 14.03.2006, 12:23 Antworten mit Zitat
Hagbard
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Anmeldungsdatum: 08.03.2006
Beiträge: 379




Aber Descartes ist ja beim "cogito" stehengeblieben. Auch seine Bewesei zur Unsterblichkeit der seele sind ja, zumindestens, für uns gescheitert. Und er hat es nicht geschafft, vom "ich" auf "andere" zu kommen. Deswegen finde ich, dass er doch, wenn auch am entferntesten, noch dazugehört.

Zitat:

Und was den Solipsismus betrifft: Am Ende steht immer ein donnerndes "Selbst Schuld"

Wenn das Leben nicht schmeckt, hat man sich das falsche herbeigeträumt. Sagt der Solipsist.

Und dann fällt ihm ein, dass er es hätte gar nicht sagen müssen - ist doch das klagende Gegenüber nur ein geträumtes......


Man kann auch jemand anderen verantwortlich machen, immerhin kann man auch nur der Traum eines anderen sein. Dann wäre es aber nicht schlimm, wenn das Leben nicht schön wäre, weil man ja nicht leben würde.

Wobei ich damit nun zu einer anderen Frage komme:

[u]Muss Realität an sich real sein, um für uns real zu sein[/b]

Klar würde man jetzt sagen: Ja. Aber sehen wir uns das mal etwas genau an. Wenn nun schläft und träumt und in diesem Traum Dinge erlebt, so erlebt man diese als real (außer bei luziden Träumen), ist doch bestimmt schon jedem Mal passiert, dass er aufwacht und denkt, war's nur Traum oder Wirklichkeit. Demnach gibt es also keine Unterscheidungsmerkmal zwischen Traum und Wirklichkeit, also alles was jetzt hier passiert könnte nur Traum sein. Dennoch ist dieser Traum für uns Realtität. Damit kommen wir zu einer Folgerung aus dem RZQS.
Da jeder Mensch die Dinge anders wahrnimmt und auch andere Dinge als überhaupt real gegeben ansieht, hat jeder Mensch gemäß dem RZQS eie eigene subjektive Wahrheit (was Schrödinger's Interpretation der Quantenmechanik entspricht, wie auch zum Teil Satré's Meinung). Wenn man nun träumt erfährt man nun eine andere subjektive Realität, die jedoch als genauso real anzusehen ist, wie die nicht geträumte, da man nicht unterscheiden kann zwischen Traum und Nichttraum. Die Folgerungen aus diesem Theorem sind sehr anschaulich in den sog. Mindfuck-Filmen wie Matrix 1, Stay, Identität, Memento, Beautiful Mind, 13th Floor u.v.m. dargestellt.
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Raum-zeitlich-konsquenter Solipsimus
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