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Trotz der Zugeständnisse von König Gyanendra entspannt sich der Konflikt um die Regierungsmacht in Nepal nicht. Die Opposition lehnte das Angebot, einen Ministerpräsidenten zu benennen als unzureichend ab und kündigte weitere Proteste an. In der Hauptstadt versammelten sich erneut zehntausende Menschen. Sie marschierten ins Zentrum, obwohl in Kathmandu noch immer Ausgangssperre gilt. Die Sicherheitskräfte haben weiter Schießbefehl.
Von Christoph Heinzle, Kathmandu
Viele Nepalesen mussten die Ansprache des Königs zunächst verdauen. Die meisten hatten die Rede von König Gyanendra im Radio und Fernsehen verfolgt. Die Reaktionen waren überwiegend negativ. So sagt Kunststudent Ang Sherpa, der den ganzen Tag demonstriert hatte: "Das ist kein Sieg für uns. Der König hat nicht über die wirkliche Demokratie gesprochen, die wir fordern. Was soll ein neuer Premier tun? Nur das Parteienbündnis zur Regierungsbildung einzuladen, reicht nicht. Die maoistischen Rebellen müssen auch mit einbezogen werden."
Gyanendra will Staatsoberhaupt und Armeechef bleiben
König Gyanendra hatte das Parteienbündnis in seiner kurzen Fernsehansprache aufgefordert, umgehend einen Premierminister zu benennen und ein neues Kabinett zu bilden. Er wolle dem nepalesischen Volk die Regierungsmacht zurückgeben, sagte der König. Damit versucht der Monarch, den Zustand vor seiner Machtübernahme im Februar vergangenen Jahres wieder herzustellen. Gyanendra bliebe demnach Staatsoberhaupt und Armeechef.
Opposition will Staatsform nach britischem Vorbild
Sein Angebot reiche nicht, erklärten Spitzenvertreter des Oppositionsbündnisses aus sieben Parteien. Sie beharren auf einer Verfassung gebenden Versammlung. Die Skepsis wird von vielen Demonstranten geteilt. "Die Protestbewegung wird weitergehen, solange die Demokratie nicht vollständig wiederhergestellt ist. Der König muss alle Macht abgeben. Ähnlich wie die britische Königin. Alle Macht sollte in den Händen der gewählten Institutionen liegen", fordert Restaurantbesitzer Nagendar Pandari.
Hunderttausende gingen am Freitag auf die Straßen
Erstmals hatte der König mit seiner Rede dem Druck der Massen ein Stück weit nachgegeben. Am Freitag waren nach Schätzungen nepalesischer Medien mehrere hunderttausend Menschen in Kathmandu auf die Straßen gegangen. Trotz Ausgangssperre in der Innenstadt gab es keine größeren Zusammenstöße mit Polizei und Armee. Doch die vorangegangenen zwei Wochen waren blutig. Etwa ein Dutzend Demonstranten wurde getötet, Tausende verletzt.
Das hat einen tiefen Eindruck hinterlassen, wie der Soziologiestudent Aanag Babu klar macht, der seit Tagen mitmarschiert: "Es ist ziemlich traurig, dass wohl noch mehr Menschen werden sterben müssen. Wir wollen, dass die Welt sich ansieht, wie hier in Nepal Menschen getötet werden. Es sollte ein Sondergericht geben für die Leute, die ihre Macht hier missbraucht haben."
König für viele zum Feindbild geworden
Die Proteste sollen weitergehen, kündigte die Opposition an. In den vergangenen zwei Wochen ist König Gyanendra für immer mehr Nepalesen zum Feindbild geworden. Königsgegner wie der 28-jährige Babu sehen sich bestätigt. Der Student macht Gyanendra für das Massaker im nepalesischen Königshaus im Sommer 2001 verantwortlich: "Seit vor fünf Jahren König Birendra ermordet wurde, weiß man dass Gyanendra ein Mörder ist. Warum sollten wir mit einem Mörder weitermachen? Das sollten sich die Leute fragen, die immer noch für die Monarchie sind."
König Gyanendra hat einen ersten Schritt getan. Von der internationalen Gemeinschaft wird er dafür gelobt. Doch nach Ansicht vieler hier in Nepal ist das Angebot des Monarchen zu spät und unzureichend. Ein echter Befreiuungsschlag scheint Gyanendra nicht gelungen zu sein.
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5451188_REF1_NAV_BAB,00.html
internHintergrund: Nepals König herrscht mit eiserner Hand |
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