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| Anmeldungsdatum: 22.10.2005 |
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Die Rechtsklerikalen stimmen Polen auf die große Schwulenparade in Warschau im Juni ein: Homo-Hatz ist Programm bei der Regierungspartei LPR.
Parade für die Rechte Homosexueller
Seit dem Regierungsbeitritt der LPR ist dem stellvertretenden Partei-Chef Wojciech Wierzejski in Polen die Aufmerksamkeit der Medien für seine homophoben Auslassungen gewiss.
Homosexualität sei "abartig und krankhaft", begründet der Sejm-Abgeordnete seine Forderung, der für den 10. Juni geplanten "Gleichheitsparade" von Polens sorgengeplagter Homo-Szene nicht nur die Zustimmung zu versagen, sondern sie auch zu verhindern: "Wenn die Abartigen zu demonstrieren beginnen, brauchen sie den Knüppel."
Ihm sei egal, dass an der Parade auch "irgendwelche Politiker" aus Deutschland und aus Schweden teilnehmen wollten; die deutschen Grünen Volker Beck und Claudia Roth haben zum Beispiel ihr Kommen angekündigt.
Schließlich seien diese "keine ernsthaften Politiker, sondern nur Schwule", fügte Wierzejski hinzu. Und: "Wenn die ein paar Knüppelschläge erhalten, werden sie ein zweites Mal nicht mehr kommen. Denn ein Schwuler ist schon per Definition ein Feigling."
Leicht hatten es Homosexuelle im erzkatholischen Polen noch nie. Doch seit der rechtspopulistischen Zeitenwende hat sich das Klima für sie noch verschlechtert. Zweimal hat Polens heutiger Staatspräsident Lech Kaczynski als Warschauer Oberbürgermeister schon die Parade für die Rechte der Homosexuellen aus angeblichen Sicherheitsgründen verbieten lassen. Beide Male ging sie mit Einschränkungen aber auch ohne seine Zustimmung über die Bühne. In der Opposition konnte sich Kaczynskis nationalkonservative PiS mit der bewussten Pflege homophober Vorbehalte noch als Partei der Saubermänner profilieren. Doch als größte Partei einer nationalpopulistischen Koalition steht die PiS nun vor einem Dilemma.
Verhindert Warschau die Parade, ist dem Land eine Welle empörter Proteste aus dem Ausland und weiterer Prestige-Verlust gewiss, auch wegen der Teilnahme der ausländischen Politiker. Lässt die PiS den Marsch zu, droht ihr beim eigenen Anhang Gesichtsverlust - und Ärger mit dem Koalitionspartner LPR. Schon jetzt hat deren "Allpolnische Jugend" Gegendemos angekündigt. Wie das ablaufen kann, zeigten ihre kahl geschorenen Anhänger jüngst erst in Krakau: Mit Fäusten, Eier- und Steinwürfen traktierten sie Teilnehmer einer friedlichen Homo-Parade.
Anhaltende Schüler-Proteste und Unterschriftensammlungen gegen die Ernennung von LPR-Chef Roman Giertych zum Erziehungsminister lässt die Rechtsklerikalen eine homosexuelle Verschwörung wittern. Die Schwulen forderten seine Ablösung, weil er homosexuelle Propaganda aus den Schulen verbannen wolle, erklärt Giertych die Protestwelle.
Während Premier Kazimierz Marcinkiewicz und die PiS-Gewaltigen erstaunlich schweigsam auf das homophobe Gepolter der LPR reagierten, forderte Parteivize Wierzsejki in gewohnter Holzfällermanier jetzt sogar Justiz-Ermittlungen gegen Homo-Organisationen wegen angeblichen Kontakts zur Drogenmafia: Es sei bekannt, dass die meisten Schwulen frühere Geheimdienstmitarbeiter seien.
Der deutsche Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist bei einer nicht genehmigten Kundgebung homosexueller Demonstranten in Moskau verletzt worden.
"Erst wurde ich von einem Stein getroffen. Dann schlug mir ein junger Neonazi mit der Faust ins Gesicht", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen der Deutschen Presse-Agentur in Moskau.
Gegenüber dem Fernsehsender RTL sagte Beck, der Vorfall zeige, "wir sind hier nicht sicher in diesem Land". Der Politiker erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei: "Die Sicherheitskräfte haben uns nicht geschützt, sondern sogar unseren Rückzug verhindert, so dass wir dem schutzlos ausgeliefert waren." Nach Angaben der ARD verbrachte Beck mehrere Stunden unfreiwillig im Polizeibus.
Erst nachdem die Polizei über seine Identität aufgeklärt worden sei, habe man sich für das Vorgehen gegen ihn entschuldigt. "Man darf nicht zulassen, dass die Polizei die friedlichen Schwulen und Lesben nicht gegen Schläger schützt", bekräftigte Beck in Moskau.
Insgesamt 120 Festnahmen
Ein Polizeisprecher teilte nach Angaben der Agentur Interfax mit, dass insgesamt 120 Menschen bei den Tumulten im Stadtzentrum festgenommen worden seien. Die russischen Politiker gaben einhellig den Homosexuellen die Schuld an der Eskalation der Lage.
Ursprünglich wollten die rund 40 Aktivisten aus dem In- und Ausland Blumen am Grab des unbekannten Soldaten niederlegen, einem der heiligsten Plätze Russlands. Die Polizei schloss aber die Tore zum Park, in dem das Ehrenmal liegt. Frauen stellten sich den Homosexuellen singend entgegen, glatzköpfige Nationalisten versuchten, in deren Reihen einzudringen. Es waren mindestens doppelt so viele Gegner wie Teilnehmer an der Demonstration.
Die städtischen Behörden hatten den Protestzug verboten und verurteilten ihn als Schande für die Gesellschaft. Religiöse Führer aller Glaubensrichtungen wetterten ebenfalls gegen die geplante Demonstration.
"Versammlung war Provokation"
Im russischen Parlament bezeichnete ein Sprecher die öffentliche Versammlung der Schwulen und Lesben als "Provokation" und lobte das Vorgehen der Polizei. "Man sollte sein abweichendes Verhalten von allgemein akzeptierten Normen nicht öffentlich zur Schau stellen und das auch noch als Menschenrecht darstellen", sagte der Leiter des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur im Föderationsrat, Viktor Schudegow der Agentur Itar-Tass.
Gleichgeschlechtliche Liebe stand in Russland bis 1993 unter Strafe.
Die russisch-orthodoxe Kirche verurteilt praktizierte Homosexualität als "Sünde". Russland hat als Mitglied des Europarates die Europäische Menschenrechtskonvention ratifiziert und sich damit verpflichtet, die Meinungs- und Versammlungsfreiheit für alle Bürger zu sichern und Minderheiten im Land zu schützen.
Quelle: n-tv.de |
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