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Überraschende Prognose: Der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland wird sich laut Ifo-Institut auch im kommenden Jahr fortsetzen. Zuvor hatten zahlreiche Institute und Konjuktur-Experten immer wieder vor einem Einbruch wegen der zusätzlichen Steuerbelastungen gewarnt. Nun ist sogar von einem „Boom“ die Rede.
HB MÜNCHEN. In seiner am Donnerstag veröffentlichten neuen Prognose erwartet das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) für 2007 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent nach 1,8 Prozent in diesem Jahr. Zwar werde die Konjunktur im kommenden Jahr vor allem durch die Mehrwertsteuererhöhung beträchtlich gedämpft. Gleichwohl werde sich der Aufschwung aber fortsetzen. „Der Aufschwung ist im Gange, die Kraft ist da“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Nach fünf Jahren Flaute sei dies „ein nicht zu übertreffender Boom“.
Grund sei der Konjunkturverlauf: Nach einem klassischen Abschwung in der ersten Hälfte des Jahrzehnts sei im Laufe des Jahres 2004 der untere Wendepunkt erreicht worden. Seitdem befinde sich die Wirtschaft im Aufschwung, der sich zu Beginn des Jahres verstärkt und die Binnenwirtschaft erreicht habe.
„Die Konjunktur in Deutschland zeigt sich zur Jahresmitte 2006 gut in Form“, hieß es in der Ifo-Vorhersage. Der Aufschwung habe beträchtlich an Breite gewonnen: „Neben dem mit hoher Drehzahl laufenden Exportmotor ist nun auch die Binnenkonjunktur in Schwung gekommen.“ Die Investitionen in Ausrüstungen hätten Tritt gefasst; der Ifo-Index zeige, dass nicht nur Unternehmen, die im Sog des Exportbooms stünden, investierten, sondern auch solche, die eher binnenwirtschaftlich orientiert seien. Selbst der private Konsum habe zugelegt und werde durch Vorzieheffekte der Mehrwertsteuererhöhung noch kurzfristige Impulse bekommen.
Ein Wirtschaftsaufschwung hält nach der Analyse der Ifo-Forscher etwa vier Jahre lang an. Die Auftriebskräfte, die von einer weiter hohen Exportdynamik begleitet würden, dürften 2007 kräftig genug sein, dass der Aufschwung durch die dämpfenden Effekte der Finanzpolitik nicht zum Erliegen komme. „Außerdem dürfte der negative Effekt der Mehrwertsteuererhöhung auf den Konsum nicht so groß sein wie von vielen befürchtet“, hieß es in der Prognose.
Auch die Lage am Arbeitsmarkt werde sich leicht aufhellen, sagten die Ifo-Forscher voraus. In diesem Jahr sollte demnach die Zahl der Erwerbstätigen im Schnitt um 70 000 zulegen. Im Schnitt des kommenden Jahres nehme die Zahl dann um 180 000 zu. Dazu trage die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung etwa die Hälfte bei. Die Verbraucherpreise sieht das Ifo in diesem Jahr um 1,8 Prozent steigen, 2007 dann um 2,5 Prozent.
Erstmals seit 2001 dürfte 2006 das Maastricht-Kriterium für das Finanzierungsdefizit des Staates eingehalten werden, erwartet das Ifo. Mit 61 Milliarden Euro oder 2,7 Prozent des nominalen Bruttoinlandsproduktes bleibe ein Sicherheitsabstand von rund acht Milliarden Euro bis zur Drei-Prozent-Hürde der Europäischen Union. 2007 werde das Defizit sogar auf 1,8 Prozent des BIP sinken.
„Leitzinsen-Erhöhung unschädlich für die Wirtschaft“
Zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) schrieben die Ökonomen, diese dürfte ihre Politik der Trippelschritte fortsetzen und die Zinsen im Prognosezeitraum bis auf das „neutrale Niveau“ von 3,5 Prozent anheben. Sinn sagte, angesichts der derzeit kräftigen Konjunkturerholung sei es an der Zeit, die Leitzinsen in der Euro-Zone von derzeit 2,75 Prozent weiter zu erhöhen. Zwei Zinsschritte um je einen Viertelprozentpunkt halte er auf jeden Fall für unschädlich für die Wirtschaft.
In der Prognose rechnet das Ifo damit, dass der Ölpreis bis Ende 2007 um rund 65 Dollar je Fass (159 Liter) schwankt. Der Wechselkurs des Euro wird bei 1,25 Dollar angesetzt. Der Welthandel expandiere 2006 um neun und 2007 um 7,5 Prozent.
HANDELSBLATT, Donnerstag, 29. Juni 2006, 19:18 Uhr
http://www.handelsblatt.com/Politik/Konjunkturdaten/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200013,200053,1100760/SH/0/depot/0/ifo:-aufschwung-geht-2007-weiter.html |
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