Aviva-Forum Aviva-Forum

Das deutsch-israelische Forum für Jung und Alt
login.php?mforum=avivakostenlose /mforum/avivakostenlose/registrieren.html /mforum/avivakostenlose/faq.html /mforum/avivakostenlose/mitglieder.html /mforum/avivakostenlose/suche.html /mforum/avivakostenlose/forum.html

Aviva-Forum » Philosophie » Schriftsteller Jostein Gaarder kritisiert den Staat Israel Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3  Weiter
Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen Vorheriges Thema anzeigen: Debatte: Von Antisemiten und Heuchlern
Nächstes Thema anzeigen: Martin Buber

Google

Jostein Gaarder: "Ich bin ein Jude"
BeitragVerfasst am: 15.08.2006, 16:40 Antworten mit Zitat
Aviva
Site Admin

Offline
Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 1824
Wohnort: Berlin




OSLO (inn) - Der norwegische Schriftsteller Jostein Gaarder fühlt sich missverstanden und versucht nun, einige seiner Aussagen über Israel zu korrigieren. Sein Bericht in der Osloer Zeitung "Aftenpost", in dem er die Existenz des jüdischen Staates anzweifelt, ist in Norwegen stark kritisiert worden.

Wie die Zeitung "Ha´aretz" berichtet, hat Gaarder zugegeben, dass sein Artikel leicht missverstanden werden könne. Er würde, wenn er den Bericht noch einmal schreiben könne, einige Sachen ändern, so Gaarder. Zudem gab er zu, norwegische Juden verletzt zu haben. Am Donnerstag sagte er in einem Interview mit "Ha´aretz": "So wie John F. Kennedy verkündete: 'Ich bin ein Berliner', verkünde ich jetzt: 'Ich bin ein Jude'". Ferner nannte sich Gaarder einen Freund Israels und sagte, die Taten der Hisbollah seien schrecklich.

Der Autor hatte vor einer Woche in dem besagten Artikel geschrieben, es sei "lächerlich, an einen Gott zu glauben, der ein Volk auserwählt hat und mit diesem durch Steintafeln und brennende Büsche kommuniziert". Außerdem verglich er den Staat Israel mit dem Apartheid- Regime in Südafrika. Israel lebe nach dem "Auge um Auge"-Prinzip und sei damit nicht besser als die Hisbollah. Ferner prophezeite er das Ende des Landes und sprach von einer neuen Diaspora.

Gaarders Artikel löste zahlreiche Debatten aus. Viele Kritiker beschuldigten den Schriftsteller des Antisemitismus.

Die jüdische Journalistin Mona Levin sagte in einem Interview, es sei unglaublich, dass ein Mann mit einer solchen öffentlichen Präsenz eine gesamte ethnische Gruppe angreifen könne und die Politiker dabei ruhig blieben. Die Vorsitzende des "Stephen Roth Instituts für das Studium von zeitgenössischem Antisemitismus und Rassismus" an der Universität Tel Aviv, Diana Porat, meinte, der Autor behandele in seiner Kritik nicht den gegenwärtigem Zusammenhang, sondern greife dafür tausende von Jahren in die Vergangenheit. Des Weiteren verwies Porat auf die Europäische Union, gemäß der jede Aussage antisemitisch sei, die Israels Existenzrecht leugnet.

Der Politik-Redakteur der "Aftenpost" sagte, er habe keine Veranlassung gesehen, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Zwar betonte er: "Sicherlich stimme ich nicht dem zu, was Gaarder sagt", dennoch sei es seiner Meinung nach besser, das Thema öffentlich zu diskutieren, als es im Verborgenen zu tun.

Indessen gab es parallel zu Gaarders Essay eine Serie antisemitischer Vorfälle in Norwegen. Beispielsweise wurden eine Osloer Synagoge und jüdische Friedhöfe entweiht. Außerdem kam es zu einem Angriff mit Körperverletzung auf einen Jugendlichen, der eine Kippa trug. (js)
http://www.israelnetz.de/show.sxp/12091.html?sxpident=490255004007171t3588080-MIV2810151S--9373035153072
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
BeitragVerfasst am: 16.08.2006, 01:09 Antworten mit Zitat
Hagbard
Stammuser
Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 08.03.2006
Beiträge: 379




Also ich find es doch sehr erschreckend, dass ein Mann wie Gaardner seine Meinung ändert, weil ihm Antisemitismus vorgeworfen wird. Was er geschrieben hat, stimmt einfach. Und er diffamiert keine ethnische Gruppe sondern kritisiert die israelische Politik, zu recht. Auch wenn die Hisbollah alles andere als richtig handelt, ist ein Krieg keine Lösung und gerade Israel sollte bei sowas eigentlich umsichtiger sein. Schlimm, dass man keine begründete Kritik mehr an Israel richten darf.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 17.08.2006, 19:26 Antworten mit Zitat
Robbi P.
Site Admin

Offline
Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 841




Hi Hagbard,

wieso sollte gerade Israel "umsichtiger" sein? Sicher gibt es in diesem Israel-Hisbollah-Konflikt auf beiden Seiten allerhand zu kritisieren. Vergessen wir aber bitte nicht: Die Hisbollah attackierte Israel seit Ende der Besatzung im Libanon, es wurden immer wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Häufig werden die militärischen Aktionen Israels als eine Antwort auf die Entführung der Soldaten reduziert und damit argumentiert, Israel würde auf eine ledigliche Entführung einen Krieg angezettelt haben. Diese Entführung ist jedoch ebenso wie die Entführung der Soldaten zuvor in Gazah als ein politischer Akt zu verstehen. In einem Krisengebiet bei einer derartigen Anspannung führt solch ein politischer Akt zwangsläufig zur Eskalation, Israel blieb nach diesen Angriffen und Provokationen schließlich kaum noch eine andere Wahl, als militärisch zu reagieren. Die Hisbollah war sich dessen bewusst. Was übrig bleibt ist die Art und Weise der militärischen Reaktion, die durchaus in einigen Elementen kritisierbar ist. Allerdings steht hier auch das Problem zur Debatte, dass der Krieg von Seiten der Hisbollah innerhalb der Zivilbevölkerung geführt wird d. h., das Abschießen der Raketen auf Israel erfolgt von Rampen aus, die z. T. mobil eingesetzt werden und nach Einsatz in privaten Einrichtungen versteckt werden. Einige Abschussrampen befinden sich auch stationär in privaten Häusern unter dem Dach, beim Abschuss öffnet sich eine Luke, die hinterher wieder geschlossen wird. Das macht es dem israelischen Militär besonders schwer, gezielt die Waffen zu vernichten ohne zivile Einrichtungen und Häuser zu zerstören und unschuldige Zivilisten dabei zu töten. Kein vernünftiger Mensch kann das Töten unschuldiger Menschen insbesondere ältere Menschen, Frauen und Kinder gutheißen, dennoch müssen bei aller Kritik diese Umstände mit berücksichtigt werden. Wie soll denn das Militär reagieren, wenn sich in einem Gebäude, ob Schule oder Wohnhaus, Abschussrampen ausfindig gemacht werden? In den Medien lesen wir dann lediglich, Israel zerstört zivile Wohnhäuser oder gar "wohltätige Einrichtungen". Die Propagandamaschinerie ist dabei natürlich auch wieder voll im Gange. Ich erinnere hier z. B. an die Schlagzeilen vor einigen Tagen, in denen es hieß, bei einem israelischen Angriff seien 40 Personen getötet worden. Selbst als die libanesischen Medien diese Schlagzeilen widerlegten und von 5 Opfern sprachen, war in einigen deutschen Medien immer noch von 40 die Rede. Man schreit gerne laut auf, wenn israelische Soldaten Menschen töten, insbesondere wenn es sich um Kinder handelt. Das wäre soweit auch in Ordnung, aber: letzte Woche wurde z. B. in Sri Lanka ein Waisenhaus angegriffen, zahlreiche Kinder (lt. Angaben über 60) sind dabei getötet worden. Wo waren hier die lautstarken Proteste? Was meinst du, wenn Israel ein palästinensisches oder libanesisches Waisenhaus zerstört und so viele Kinder dabei töten würde, was das in den Medien auslösen würde und wie laut die Schreie wären? Ist das etwa der gleiche [Hinter-]Grund, warum du sagst, "gerade" Israel müsse "umsichtig" sein?

Nun zu der "begründeten Kritik". Israel wird Apartheid unterstellt, das Existenzrecht wird geleugnet, Israel mit der terroristischen Hisbollah gleichgestellt und die jüdische Religion als lächerlich diffamiert. Was hat das noch mit begründeter Kritik zu tun? Von dem Unsinn bezgl. des erwähnten "Auge-um-Auge-Prinzips", das aus dem christlichen Antisemitismus resultierend mit Rache und Vergeltung definiert wird, ganz zu schweigen. Wenn man schon eine Religion in diesem Konflikt einbezieht, sollte man sich doch mal überlegen, wer ständig von einem "heiligen Krieg" spricht oder was bezüglich dieses Krieges der Begriff "Hisbollah" auf Deutsch bedeutet: "Gottes Partei". Die israelische Politik ist genauso wie jede andere kritisierbar, das war immer meine Meinung und wird sie auch immer bleiben. Hätte Gaarder tatsächlich lediglich die israelische Politik kritisiert, wären auch die gegen ihn gerichteten Vorwürfe entsprechend anders ausgefallen.

Zitat:
Was er geschrieben hat, stimmt einfach


Ich weiß nicht, ob dir seine Äußerungen gänzlich bekannt sind und möchte dir keinesfalls Antisemitismus vorwerfen. Folgt man den Worten Ralph Giordanos, wärest du Antisemit. Das folgende Interview finde ich jedenfalls recht interessant:

INTERVIEW MIT RALPH GIORDANO: "Wer Gaarder zustimmt, ist Antisemit"
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 17.08.2006, 22:40 Antworten mit Zitat
Ismael
Elite-Stammuser
Elite-Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 28.10.2005
Beiträge: 693




"Wir erkennen den Staat Israel nicht mehr länger an. Wir konnten weder das südafrikanische Apartheid-Regime anerkennen, noch die Talibanregierung in Afghanistan...", so Gaarder wörtlich. Israel ist für ihn nicht besser, als es die oben genannnten Regierungen waren. Gaarder schreibt weiter, dass die Israelis glaubten, ein israelisches Leben sei mehr wert als 40 palästinensische oder libanesische.

also...der erste satz ist absolut fehl am platze..und dieser satz ist natürlich antisemitisch !
das existenzrecht israels anzuzweifeln kommt für mich gar nicht zur diskusssion..sowas denke ich nichtmal

alles weitere nach diesem ersten satz...ist zuminnst diskussionswürdig...
da es sich eher um politische dinge handelt

jedoch dieser abschnitt :

"Wir lachen", so Gaarder, "mitterweile über die, die immer noch glauben, dass der Gott der Schöpfung und der Galaxie ein Volk als sein liebstes auserwählt hat und diesem lustige Steintafeln, einen brennenden Busch und die Erlaubnis zum Töten gab."

ist religiös äusserst verletztend...es werden alle 3 abrahamitschen religionen damit lächerlich gemacht...so kann nur jemand sprechen der nicht an g'tt glaubt...

das ess allgemein schwer ist den nahostkonflikt aus der ferne betrachtet ausgewogen zu beurteilen , dem stimme ich vorbehaltlos zu


das interview was du postest von giordano ist auf den vorseiten schon zu finden robbilein Smile

schön das du wieder da bist Smile
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 01:43 Antworten mit Zitat
Hagbard
Stammuser
Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 08.03.2006
Beiträge: 379




@Robbi: Warum ich der Meinung bin gerade Israel solle umsichtiger sein? Ein Land mit einer der besten Armeen der Welt, welches so aggressiv militärisch vorging (mittlerweile wirds ja besser) und dennoch politisch immer und immer wieder sich selbst als Opfer hinstellt, sollte einfach mal umsichtiger sein. Es ist klar, dass Israel von der Hisbollah angegriffen wurde und auch das Recht hat, sich zu verteidigen, aber bitte schön verhältnismäßig.

Zum Thema Antisemitismus: Also das Existenzrecht Israels wird nur insofern geleugnet, wie man einfach KEINEN Staat akzeptieren kann, der so aggressiv militärisch vorgeht. Und der Palästinenserkonflikt ist teilweise mit der Apartheid vergleichbar. Und, dass zu Kritik an der Hisbollah vermisst, nungut, ich bin der Meinung dass etwas derart offensichtliches nicht mehr explizit erwähnt werden muss.

@Ismael: Wo richtet sich denn der erste Satz explizit gegen Juden? Wird Israels Existenz denn nicht mehr länger anerkannt, weil es ein jüdischer Staat ist, oder wegen der Politik, die Gaardner mit der des südafr. Apartheidregimes vergleicht?

Zitat:

das existenzrecht israels anzuzweifeln kommt für mich gar nicht zur diskusssion..sowas denke ich nichtmal


Auch nicht, wenn Israel (rein hypothetisch) irgendwann mal eine menschenverachtende Diktatur wird?

Und das er religiös verletzend war, tja, aber man sollte bei fachlichen Diskussionen doch die Religion aussparen und jedwede religiöse Begründung als eben lächerlich abtun. Tut mir leid, aber in der Wissenschaft hat Gott nichts zu suchen, ebensowenig in politischen Angelegenheiten.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 02:42 Antworten mit Zitat
Robbi P.
Site Admin

Offline
Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 841




Hi Ismael und Hagbard,

die folgenden Sätze halte ich ebenfalls nicht für diskussionswürdig. Er setzt Israel mit den Taliban und der Apartheid gleich - das ist völliger Humbug. Dazu pauschalisiert er die Israelis. Es wurde auch nicht alles übersetzt. Lesen wir noch ein paar Beispiele:


"Wir erkennen den Staat Israel nicht länger an. Wir konnten das südafrikanische Apartheid-Regime nicht anerkennen, und ebenso wenig das afghanische Taliban-Regime. Und es gab viele, die Saddam Husseins Irak oder die ethnischen Säuberungen der Serben nicht anerkannten."

Vergleich mit Saddam Hussein und "ethnische Säuberung der Serben". Weiter:

"Wir lachen über die Hirngespinste dieses Volkes und weinen über seine Untaten. Als Gottes auserwähltes Volk zu handeln ist nicht nur dumm und arrogant, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit."

Wie nennt man das? Volksverhetzung? Der von mir angesprochene Part bezüglich Rache und Vergeltung wird in den folgenden Worten noch deutlicher:

"Wir anerkennen nicht die Rhetorik des Staates Israel. Wir anerkennen nicht die Spirale der Vergeltung der Blutrache von „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Wir anerkennen nicht das Prinzip von einem oder tausend arabischen Augen für ein israelisches Auge. Wir anerkennen keine Kollektivbestrafung oder Bevölkerungsschlankheitskuren als politische Waffen."

Was die genannten Zitate tatsächlich bedeuten, haben wir mehrmals ausführlich durchdiskutiert, mit Rache und Vergeltung haben sie nichts zu tun. Der Part, in dem er sich auf Jesus bezieht:

"Zweitausend Jahre sind vergangen, seit ein jüdischer Rabbi die altertümliche Doktrin des „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ kritisiert hat. Er sagte: „Tu an anderen, wie du wolltest, dass sie an dir tun."

Wo hat Jesus diese gesetzliche Auslegung aus dem Sefer haBerit (Bundesbuch), das sich auf das Buch Exodus bezieht, kritisiert? Ich weiß es nicht. Nochmal zur Erinnerung und Verdeutlichung:

Antijüdisches Klischee - Auge um Auge, Zahn um Zahn

Lesen wir weiter:

"Zweitausend Jahre sind vergangen, seit der jüdische Rabbi die alte Rhetorik des Krieges entwaffnet und humanisiert hat. Schon zu seiner Zeit waren die ersten zionistischen Terroristen am Werk."

Aha, zionistische Terroristen waren es also. Warum verwendet er in diesem Zusammenhang nicht gleich den Begriff "Christusmörder".

Nein, mit Kritik an der israelischen Politik hat dies alles nichts mehr zu tun. Es ist blanker Antisemitismus, der auf christlichem Antijudaismus aufbaut. Von daher hat Giordano auch völlig Recht wenn er meint, wer Gaarder zustimmt, sei Antisemit. Ich denke jedoch, dass vielen der gesamte Kontext nicht ausreichend bekannt ist und würde daher solchen Leuten auch nicht gleich Antisemitismus vorwerfen. Daher meinte ich auch an Hagbard, ob ihm die Äußerungen Gaarders gänzlich bekannt sind.

Das Wiesenthal-Center Norwegen hat den gesamten Text auf Englisch veröffentlicht:

God's Chosen People

Die Übersetzung ins Deutsche kann hier nachgelesen werden:


Gottes auserwähltes Volk

Ismael hat folgendes geschrieben:
das interview was du postest von giordano ist auf den vorseiten schon zu finden robbilein


Ich hatte die erste Seite in diesem Thread nicht gelesen, sorry. Im Subforum "Israel und der Nahe Osten" habe ich extra nachgeschaut, ob dieses Interview schon verlinkt wurde, aber nichts gefunden.

Hagbard hat folgendes geschrieben:
Ein Land mit einer der besten Armeen der Welt, welches so aggressiv militärisch vorging (mittlerweile wirds ja besser)


Was hilft die beste Armee der Welt, wenn sich der Kriegsgegner in der Zivilbevölkerung versteckt und Zivilisten als Schutzschilde mißbraucht? Die hochtechnisierte Armee macht Abschussrampen ausfindig in Garagen, unter den Dächern von Wohnhäusern usw. aber diese Technik reicht nicht, um die Geschütze einfach in Luft aufzulösen.

Zitat:
und dennoch politisch immer und immer wieder sich selbst als Opfer hinstellt, sollte einfach mal umsichtiger sein. Es ist klar, dass Israel von der Hisbollah angegriffen wurde ...


Wer ist Opfer: der Angreifer oder der angegriffene?

Zitat:
und auch das Recht hat, sich zu verteidigen, aber bitte schön verhältnismäßig.


Von Israel wird beispielhaftes Verhalten verlangt, ein "Musterkrieg", den es nirgendwo gibt. Es wäre kein einziger israelischer Soldat im Libanon, nicht eine Bombe würde auf irgendein Haus fallen, wenn Israel in Ruhe gelassen würde, wenn keine Raketen auf sein Territorium geschossen würden, wenn niemand das Land vernichten wollte und es keinen Terror gäbe. Wie immer man die Reaktion Israels bezeichnen möchte, ob aggressiv, überzogen oder sonstwie, es gäbe diese Reaktion nicht. Aber okay, letztendlich fällt es in jenen Bereich, den ich in meinem obigen Posting ansprach: "Was übrig bleibt ist die Art und Weise der militärischen Reaktion, die durchaus in einigen Elementen kritisierbar ist. "
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 14:40 Antworten mit Zitat
Ruediger
Elite-Stammuser
Elite-Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 01.05.2006
Beiträge: 561
Wohnort: Münster




Israel hat mit seinen militärischen Angriffen den Bogen weit überspannt. Eine Nation, die mehr Kinder als Soldaten tötet, kann man nicht kriegerisch unterstützen. Es wurden Krankenhäuser und Familieneigenheime zerstört. Israel hat unschuldige Menschen in Massen getötet und den Überlebenden ihre Grundexistenz genommen. Man könnte fast meinen, das Land habe aus der Geschichte des 3. Reiches nichts gelernt. Es wird dauerhaft eine Schuld mit sich tragen, so, wie es auch Deutschland tut.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 15:06 Antworten mit Zitat
Aviva
Site Admin

Offline
Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 1824
Wohnort: Berlin




Ruediger hat folgendes geschrieben:
Israel hat mit seinen militärischen Angriffen den Bogen weit überspannt. Eine Nation, die mehr Kinder als Soldaten tötet, kann man nicht kriegerisch unterstützen. Es wurden Krankenhäuser und Familieneigenheime zerstört. Israel hat unschuldige Menschen in Massen getötet und den Überlebenden ihre Grundexistenz genommen. Man könnte fast meinen, das Land habe aus der Geschichte des 3. Reiches nichts gelernt. Es wird dauerhaft eine Schuld mit sich tragen, so, wie es auch Deutschland tut.


Eigentlich wollte ich mich hier aus dieser Diskussion weitestgehend heraushalten.
Ruediger, nenne mir bitte ein Land, welches den Bogen im Krieg noch nicht überspannt hat. Nenne mir bitte ein Land, welches im Krieg die Zivilbevölkerung ausgespart hat, Eigenheime, Krankenhäuser u.s.w. außer Acht gelassen hat.
Nenne mir ein Land, welches die Zivilbevölkerung vorher mit Flugblättern gewarnt hat.
Egal wie hochtechnisiert die Welt heute auch ist, aber Ziele immer punktgenau zu treffen, ist auch in einer hochtechnisierten Welt nicht möglich.
Es werden gar Stimmem laut, daß die Hisbollah selbst Ziele im Libanon bombardiert haben, damit es so dargestellt wird, als wäre Israel wieder einmal dafür verantwortlich.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Website dieses Benutzers besuchen
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 15:26 Antworten mit Zitat
Robbi P.
Site Admin

Offline
Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 841




Bezeichnend:

Ruediger hat folgendes geschrieben:
Eine Nation, die mehr Kinder als Soldaten tötet, kann man nicht kriegerisch unterstützen.

Es wird also nicht die Politik und nicht die israelische Armee kritisiert, sondern die gesamte Nation. Dass Kinder getötet werden liegt auch daran, dass sie ebenso wie von den palästinensischen Terroristen als Schutzschilde mißbraucht werden. Auf wessen Konto deren Tod letztendlich geht, dürfte damit klar sein.
Zitat:
Es wurden Krankenhäuser und Familieneigenheime zerstört.

Die Begründung dafür habe ich bereits oben aufgeführt.
Zitat:
Man könnte fast meinen, das Land habe aus der Geschichte des 3. Reiches nichts gelernt.

Die Konzentrationslager waren keine schulischen Einrichtungen, dennoch hat die israelische Bevölkerung aus der Geschichte des 3. Reiches durchaus etwas gelernt: sich nicht mehr ausrotten und vernichten zu lassen.
Der Hauptgrund vieler "Israelkritiker" wird hier wiedermal deutlich:
Zitat:
Es wird dauerhaft eine Schuld mit sich tragen, so, wie es auch Deutschland tut.

Die Last aus der deutschen Vergangenheit wird hier reflektiert und die politisch-historische Schuld auf Israel abgewälzt. Das hatten wir unzählige Male ausführlich durchgekaut, nichts neues.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 16:46 Antworten mit Zitat
Ismael
Elite-Stammuser
Elite-Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 28.10.2005
Beiträge: 693




wie gesagt manches ist diskussionswürdig...

das existenzrecht abzusrpechen nicht...

wenn aus israel tatsächlich eine mörderische diktatur werden würde...so wie das 3. reich zb....dann würde es seine existenzrecht verlieren...aber davon gehe ich nicht aus...
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 18.08.2006, 23:06 Antworten mit Zitat
Hagbard
Stammuser
Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 08.03.2006
Beiträge: 379




@Aviva: Du hast natürlich recht, aber Israel sollte einfach GAR KEINEN Krieg führen sollen. Krieg bringt nämlich am wenigsten denen, die ihn führen (den Soldaten) und schadet am meisten denen für die er geführt wird (das arme unterdrückte Volk o.ä.). Auch wenn Israel angegriffen wurde und wird, so sollte man nicht gleiches mit gleichem vergelten sondern mal überlegen warum die Hisbollah das macht und auch warum sie überhaupt dazu in der Lage ist und diese Wurzeln bekämpfen. Naja, vielleicht bin ich zu idealistisch...

@Robbi: Du musst ja nicht alles absichtlich falsch verstehen ^^. Das "eine Nation" symbolisch gemeint ist, für die verantwortlichen Politiker Israels (die ja immerhin diese Nation demokratisch repräsentieren), sollte klar sein. Und auch, dass jede Person (egal ab natürliche oder im Falle eines Landes eine juristische), die ein Menschenleben auslöscht eine ewige Schuld zu tragen hat sollte verständlich sein. Und so, wie Deutschland seine Schuld für die getöteten Menschen des dritten Reiches zu tragen hat, so muss auch Israel für die toten Zivilisten im Libanon seine Schuld tragen, fertig aus.

So, und um mal ein paar Missverständnisse auszuräumen. Nur, weil ich nicht explizit die Hisbollah kritisiere, sondern in diesem Falle nur Israel heißt die nicht, ich fände gut, was die Hisbollah macht, denn dies ist in jedem Falle abzulehnen, doch das sehe ich als Faktum an, welches nicht noch besprochen werden müsste. Anders geht ist es da um das Verhalten Israels bestellt (und mit Verhalten Israels meine ich das Verhalten derer, die im Namen Israel diesen Krieg führen), weswegen ich dazu meine Meinung explizit anführe.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 22:09 Antworten mit Zitat
Ruediger
Elite-Stammuser
Elite-Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 01.05.2006
Beiträge: 561
Wohnort: Münster




Zitat:
Eigentlich wollte ich mich hier aus dieser Diskussion weitestgehend heraushalten.
Ruediger, nenne mir bitte ein Land, welches den Bogen im Krieg noch nicht überspannt hat. Nenne mir bitte ein Land, welches im Krieg die Zivilbevölkerung ausgespart hat, Eigenheime, Krankenhäuser u.s.w. außer Acht gelassen hat.
Nenne mir ein Land, welches die Zivilbevölkerung vorher mit Flugblättern gewarnt hat.
Egal wie hochtechnisiert die Welt heute auch ist, aber Ziele immer punktgenau zu treffen, ist auch in einer hochtechnisierten Welt nicht möglich.
Es werden gar Stimmem laut, daß die Hisbollah selbst Ziele im Libanon bombardiert haben, damit es so dargestellt wird, als wäre Israel wieder einmal dafür verantwortlich.


Deswegen ist Krieg auch keine Lösung. Die einzige Lösung für einen dauerhaften Frieden ist es, dass Israel sich aus den Gebieten der Palästinenser, Iraner dauerhaft zurückzieht und dass [url]beide Seiten[/url] das gegenseitige Existenzrecht anerkennen.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 22:17 Antworten mit Zitat
Ruediger
Elite-Stammuser
Elite-Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 01.05.2006
Beiträge: 561
Wohnort: Münster




Zitat:
@Aviva: Du hast natürlich recht, aber Israel sollte einfach GAR KEINEN Krieg führen sollen. Krieg bringt nämlich am wenigsten denen, die ihn führen (den Soldaten) und schadet am meisten denen für die er geführt wird (das arme unterdrückte Volk o.ä.). Auch wenn Israel angegriffen wurde und wird, so sollte man nicht gleiches mit gleichem vergelten sondern mal überlegen warum die Hisbollah das macht und auch warum sie überhaupt dazu in der Lage ist und diese Wurzeln bekämpfen. Naja, vielleicht bin ich zu idealistisch...

Nein, bist du nicht. Im Gegenteil, du hast es genau auf den Punkt gebracht. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass Deutschland sich am Krieg, der in meinen Augen noch lange nicht vorbei ist, nicht beteiligen sollte. Was wird denn da getan? In Aris Worten: Es wird die Nazibollah bekämpft, jedoch nicht deren Ursachen und Wurzeln, genau so falsch eben wie es in Deutschland auch falsch gehandhabt wird.
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 23:52 Antworten mit Zitat
Robbi P.
Site Admin

Offline
Anmeldungsdatum: 22.10.2005
Beiträge: 841




@ Hagbard

Zitat:
Auch wenn Israel angegriffen wurde und wird, so sollte man nicht gleiches mit gleichem vergelten sondern mal überlegen warum die Hisbollah das macht und auch warum sie überhaupt dazu in der Lage ist und diese Wurzeln bekämpfen.


Warum redest du hier immer noch von Vergeltung? Nochmal: es geht nicht um Vergeltung sondern darum, die Hisbollah im Libanon auszuschalten, deren Waffen und Terroristen unschädlich zu machen bzw. mindestens soweit zu schwächen, um weitere Angriffe auf Israel möglichst zu verhindern. Israel soll keinen Krieg führen? Israel würde keinen führen, Israel wurde der Krieg erklärt. Du selbst hattest Israel das Recht auf Verteidigung zugesprochen, bitteschön - diese Verteidigung bedeutet nunmal militärisch vorzugehen, diplomatische Bemühungen führen zu nichts, mit Terroristen lässt es sich nicht verhandeln. Kein Land weiß dies besser als Israel. Und wenn du von den "Wurzeln" redest, darfst du nicht vergessen: der Kern des Islamismus ist immer noch der Antisemitismus, ein ideologisches Weltbild, in der alles böse jüdisch ist und alles jüdische böse mit dem erklärten Ziel, Juden zu töten, wo immer sie leben. Weiter darf nicht vergessen werden, wer maßgeblich den antisemitischen Hass in dieser Region gesäht hat: die deutschen Nazis. So wurden z. B. über Flugblätter von der NSDAP-AO ausgehend antisemitische Hetzschriften verteilt, Hitler paktierte mit dem Mufti von Jerusalem usw., die Entwicklung von der Moslembrüderschaft zum Islamismus wurde dadurch entscheidend geprägt, die NS-Ideologie in Bezug auf den Antisemitismus weitgehend übernommen. Das ist ebenso ein Grund, warum die Deutschen heute mit einer besonderen Verantwortung gegenüber Israel stehen sollten, nicht nur wegen dem Holocaust. Aber stattdessen wird häufig relativiert, die deutsche Geschichte verdrängt und Schuldgefühle od. Last und Verantwortung auf Israel abgewälzt, aus Opfer bzw. Nachfahren der Opfer werden Täter geformt etc., was dann schließlich als Israelkritik verkauft wird. Dabei erlaubt diese besondere Verantwortung durchaus auch Kritik, ich denke sogar, dass sie zur Kritik verpflichtet, wo sie angebracht ist und fair und ehrlich geübt wird.

Zitat:
Du musst ja nicht alles absichtlich falsch verstehen ^^. Das "eine Nation" symbolisch gemeint ist, für die verantwortlichen Politiker Israels (die ja immerhin diese Nation demokratisch repräsentieren), sollte klar sein...


Ich verstehe nicht falsch - und schon gar nicht absichtlich. Der gesamten "Nation" Israel soll ein Massenmord in die Schuhe geschoben und verantwortlich für das Töten von mehr Kindern als Soldaten und Zerstörung von Familieneigenheimen und Krankenhäusern gemacht werden. Im gesamten Kontext wird dann mit dem 3. Reich verglichen, die Schuld, die Deutschland "für immer trägt". Deutschland war der Aggressor, Deutschland hat 2 Weltkriege ausgelöst, Deutschland hat Millionen Menschen mit Hilfe einer industriellen Vernichtungsmaschinerie ermordet, es ist geradezu grotesk und eine Unverschämtheit, in der Debatte um Israels militärische Aktivitäten gegen seine terroristischen Angreifer das 3. Reich hier zum Vergleich einzubringen und zu behaupten, so wie Deutschland wird auch Israel ewig eine Schuld tragen.

Zitat:
Und so, wie Deutschland seine Schuld für die getöteten Menschen des dritten Reiches zu tragen hat, so muss auch Israel für die toten Zivilisten im Libanon seine Schuld tragen, fertig aus.


Ich betonte es mehrmals, wer letztendlich den Tod unschuldiger Zivilisten zu verantworten hat. Scheinbar rede ich dabei nur an die Wand. Warum? Der Mißbrauch von Zivilisten, Frauen und Kinder ist wohl nur meine Erfindung, eine Propaganda - oder?

Frauen und Kinder als Schutzschilde der Gotteskrieger

Perfide Taktik der Hisbollah und es bleibt Israel überlassen, die schmutzige Arbeit für die "internationale Gemeinschaft" zu tun...


---

Hintergrund: «Menschliche Schutzschilde» sind Kriegsverbrechen
Hamburg (dpa) - Der Missbrauch von Zivilisten als so genannte menschliche Schutzschilde ist ein Kriegsverbrechen. Die jüngsten Vorwürfe richten sich gegen die schiitische Hisbollah-Miliz, die sich samt Waffen offenbar gezielt in libanesischen Wohngebieten versteckt...
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 20.08.2006, 00:02 Antworten mit Zitat
Ismael
Elite-Stammuser
Elite-Stammuser

Offline
Anmeldungsdatum: 28.10.2005
Beiträge: 693