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Gedenkstunde des Rhein-Sieg-Kreises anlässlich der Reichspogromnacht vom 9. November 1938
Rhein-Sieg-Kreis (al) – Zur Erinnerung an die Geschehnisse der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 laden der Rhein-Sieg-Kreis und der Förderverein Gedenkstätte Landjuden an der Sieg e.V. zu einer Gedenkstunde am 9. November um 17.00 Uhr in die Gedenksstätte „Landjuden an der Sieg“ ein.
Die Mucher Künstlerin Christiane Rohleder wird nach einer Begrüßung durch Landrat Frithjof Kühn die Ehrengäste Naftali G. Fürst (Haifa/Israel), Nikolaus Gruner (Malmö/Schweden) und Dr. Max Hamburger (Visé/Belgien) vorstellen. Alle drei waren Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald und zählen zu den wenigen Überlebenden. Als das Konzentrationslager vor 61 Jahren am 11. April 1945 befreit wurde, kannten sie sich nicht. Jedoch sind alle drei auf dem weltberühmten Foto zu sehen, das ein amerikanischer Soldat damals aufgenommen hatte. Das Foto zeigt ein riesiges Holzgestell mit vier eingezogenen Zwischenböden, auf denen über zwanzig bis auf die Knochen abgemagerte Männer mit kahl geschorenen Köpfen liegen. Die Ehrengäste werden ihre persönlichen Gedanken und Reflektionen zu diesem Foto mitteilen.
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland – auch im Gebiet des heutigen Rhein-Sieg-Kreises – Synagogen durch Angehörige von SS und SA zerstört und in Brand gesteckt. Wohnungen und Geschäfte jüdischer Bürger wurden mit öffentlicher Billigung geplündert und viele jüdische Bürger misshandelt oder willkürlich verhaftet. Die Bilanz des Pogroms war erschreckend: Über tausend Synagogen wurden durch Feuer vernichtet, mindestens 8000 jüdische Geschäfte zerstört, zahllose Wohnungen verwüstet. Ungefähr 100 jüdische Bürger waren erschlagen, niedergestochen oder zu Tode geprügelt worden. Die furchtbaren Geschehnisse, die bald danach bereits im Volksmund mit dem Begriff „Reichskristallnacht“ verharmlost wurden, waren einer der Höhepunkte eines Antisemitismus, der mit Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 seinen Anfang genommen hatte. Er wurde staatlich nicht nur toleriert, sondern aktiv unterstützt und bedeutete eine Katastrophe für die bürgerliche Existenz und das Bewusstsein vieler jüdischer Bürger.
Die Gedenkstätte „Landjuden an der Sieg“ befindet sich in Windeck-Rosbach, Bergstraße 9. Der Eintritt zur Gedenkveranstaltung ist frei.
Rhein-Sieg-Kreis
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