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"Hell House": Gottes Gruselkabinett
Sie wettern gegen Homosexualität, Abtreibungen oder das Lesen von Harry-Potter-Romanen. Im Projekt "Hell House" stellen Laien-Schauspieler in den USA in drastischer Weise dar, was für sie als Sünde gilt. Erfinder des "Gruselkabinetts Gottes" ist Pastor Robert.
Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkstudio Washington
Steve, gerade einmal Ende Zwanzig, liegt sterbend auf der Intensivstation: Vor ihm, vor der kleinen Bühne steht eine Handvoll Leute, denen eine "Krankenschwester" das Schicksal des Patienten erklärt. "Das ist Steve, er hat Erfüllung gesucht in der der Homosexualität - jetzt stirbt er an AIDS."
In der nächsten Szene wird ein 16-jähriges Mädchen in einen Operationssaal geschoben. Sie trägt einen weißen Kittel, der zwischen den Beinen blutgetränkt ist. Vor zwei Tagen hatte sie eine Abtreibung, erklärt ein als Zombie verkleideter Mann. "Diese Blutungen haben seither nicht mehr aufgehört." "Rette mich, Jesus", schreit das Mädchen. Ein Dämon antwortet: "Zu spät, Du kommst in die Hölle."
Sünden-Sketche im "Hell House"
Wir sind im "Hell House", einer Erfindung von Pastor Keenan Roberts aus dem US-Bundesstaat Colorado. Halloween steht vor der Tür. Nach amerikanischer Tradition verwandeln Leute in diesen Tagen ihre Wohnungen in kleine Geisterhütten. Roberts und rund 3000 weitere Geistliche, die seinem Beispiel folgen, haben diese Tradition aufgegriffen. Sie verwandeln im ganzen Land ihre Gemeindehäuser in etwas, das sich am ehesten als "Gottes Gruselkabinett" beschreiben lässt.
Simple Botschaft: "Sünde zerstört, Jesus erlöst"
Besucher werden von verkleideten Laienschauspielern durch verschiedene Räume geführt, in denen andere Laien kurze Sünden-Sketche aufführen. Es geht dabei gegen Homosexualität, gegen Abtreibung, aber auch gegen Gewalt in der Ehe, Alkohol am Steuer, Drogenmissbrauch, selbst gegen das Lesen von Harry-Potter-Büchern. Am Ende landen die Besucher in der "Hölle", doch die Erlösung ist nahe, so Pastor Roberts: "Urplötzlich tauchen Engel in die "Höllen-Szene" auf und besiegen den Teufel. In der folgenden "Himmels-Szene" ist alles wieder gut und friedlich. Jesus erscheint und spricht über Liebe und Vergebung."
Die Botschaft des in den USA durchaus umstrittenen Projektes ist simpel, sagt Roberts: "Sünde zerstört, Jesus erlöst - das sollen die Leute in unserem 'Hell House' erkennen."
Schocktherapie mit hoher "Erfolgsquote"
Nicht alle machen da mit. Es gibt Proteste von Schwulen und Lesben, von Abtreibungsbefürwortern, auch von liberaleren Christen, die sich vehement gegen diese drastische Form der Schocktherapie wenden. Doch Roberts bleibt dabei: "Nach den Worten der Bibel ist Homosexualität eine Sünde, Abtreibung ist Mord und wer sich gegen den gottgewollten Lebensweg entscheidet, der geht einen zerstörerischen Weg. Wir wollen Sie davor bewahren."
Voller Stolz verweist der "Schock-Pastor" aus Colorado auf seine Statistik: Das Projekt "Hell House" ist danach - allen Protesten zum Trotz - ein großer Erfolg: "Bisher haben 50.000 Menschen eines dieser 'Hell'-Häuser gesehen, 15.000 haben sich danach erneut oder zum ersten Mal zu Christus bekannt - ein sehr hoher Prozentsatz."
Stand: 14.10.2006 03:43 Uhr
tagesschau |
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