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Springer bläst Fusion mit ProSiebenSat.1 ab
Die milliardenschwere Übernahme von Deutschlands größtem TV-Konzern ProSiebenSat.1 durch den Springer-Verlag ist geplatzt. Auf Grund der zahlreichen wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten seien unzumutbare Risiken entstanden, teilte die Axel Springer AG in Berlin mit. Daher werde das Vorhaben nicht weiter verfolgt. Stattdessen will sich der Verlag stärker im Ausland und den digitalen Märkten engagieren.
Saban enttäuscht
Nach der Medienbehörde KEK hatte auch das Bundeskartellamt die Übernahme untersagt. Springer verzichtet nun darauf, auf eine Klage oder eine Ministererlaubnis zu setzen. Mit dem Rückzug von Springer werden der Kaufvertrag mit den bisherigen Eigentümern des TV-Konzerns, einer Investorengruppe um den US-Unternehmer Haim Saban, sowie das öffentliche Übernahmeangebot an die außenstehenden Aktionäre hinfällig. Springer hatte sich die Anteile der Investorengruppe für 2,5 Milliarden Euro gesichert. Sie fallen jetzt wieder an die bisherigen Eigentümer zurück. Saban teilte in Los Angeles mit, er sei enttäuscht über das Scheitern der Pläne.
Journalistenverband erleichtert
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigte sich über die Nachricht erleichtert. Er begrüße sehr, dass beim Springer-Konzern "Vernunft eingezogen" sei, sagte DJV-Vorsitzender Michael Konken in Berlin. Die crossmedialen Effekte bei einer Fusion des Verlagshauses mit der TV-Gruppe hätten schwerwiegende Konsequenzen für die Meinungsvielfalt in Deutschland gehabt.
Stoiber bedauernd
Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber kritisierte dagegen das Scheitern der Fusionspläne an "bürokratischen Hürden". Deutschland sei offenbar als "Wirtschaftsstandort nicht für den internationalen Wettbewerb gerüstet", sagte Stoiber in München, dem Sitz von ProSiebenSat.1. Neben Stoiber hatte sich auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch für eine Fusion Springers mit der Senderkette ausgesprochen.
CSU-Generalsekretär Markus Söder forderte als Reaktion auf die geplatzte Fusion eine Änderung des Kartellrechts. "Ausländische Konzerne können ungehemmt agieren, während deutsche Unternehmen durch das eigene Kartellrecht massiv behindert werden", beklagte Söder.
Kartellamts-Präsident Böge weist Kritik zurück
Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, ist dieser Kritik entgegen getreten. Die Ansicht, das Kartellrecht erschwere deutschen Medienunternehmen ein stärkeres Engagement im eigenen Land und bevorzuge ausländische Investoren, wies Böge als "unredliche Diskussion" zurück. "Das deutsche Kartellrecht hat sich in der Vergangenheit gut bewährt", sagte Böge im Interview mit tagesschau.de. Viele andere Länder hätten genau aus diesem Grund Elemente des deutschen Kartellrechts mit aufgenommen.
Zum Vorwurf, das geplatzte Springer-Geschäft zeige eine unsinnige Überregulierung und bürokratische Hürden bis hin zur Blockierung wichtiger wirtschaftlicher Vorgänge, sagte Böge: "Wir blockieren nicht. Im Gegenteil: Wenn wir dafür sorgen sollen, dass der Wettbewerb erhalten bleibt, ist das auch eine Garantie dafür, dass Innovationen stattfinden. Was wir nicht brauchen können, sind monopolistische Strukturen. Das wären die wahren Blockierer - zum Nachteil von Wettbewerbern, Innovationen und Verbrauchern."
Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums wollte Springers Entscheidung nicht kommentieren. Das Ministerium habe sich mit dem Fall noch nicht befasst, weil der Verlag keinen Antrag auf Ministererlaubnis gestellt habe, sagte er.
Senderkette könnte ins Ausland verkauft werden
Das Scheitern der Fusion bedeutet indes nicht, dass niemand ProSiebenSat.1 kaufen wird. Saban hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters bereits Vorgespräche mit anderen Investoren geführt. Unter den möglichen Käufern seien der französische TV-Konzern TF1 und die in Luxemburg ansässige SBS Broadcasting, schreibt Reuters unter Berufung auf Insider.
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5195876_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html |
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